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David Olef spricht mit Robin Meiners über falsche Bieber und echtes Aroma

GESCHMACKSFRAGEN

Ob Wein, Met oder verschiedenste Gerichte – Robin stellt am liebsten alles selbst her. Nach dem Motto „Do it yourself“ ergründet er neue Geschmäcker und Geschmacksbilder. Diese Leidenschaft für Aromen lebt er eigentlich in seinem Hauptberuf als Koch an der Uniklinik Münster aus. 2017 führte sein Hang zu neuen Ideen und Kreationen allerdings auch zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Dort verkauft er innovativen Gin im Münsterland und zeigt, was ein einfacher Holzstab geschmacklich bewirken kann.

Herzlich Willkommen Robin! Vor dem Gespräch hast du mir ein Foto von dir und deinem Gin über den Wolken geschickt. Wie kam es denn dazu?

Ich bin seit 2014 leidenschaftlicher Gleitschirmflieger. Als ich 2018 dann endlich meine eigene Gin-Flasche in der Hand hatte und wir eine Tour nach Nimis in Norditalien gemacht haben, musste der Gin einfach mit nach oben. Irgendwie ist dann auch ein halbwegs vernünftiges Foto gelungen. 

 

Bist du also ein Abenteuertyp?

Gute Frage. Ich bin auf jeden Fall bei allem dabei, was Spaß macht. Snowboard fahren, Kiten und Rugby zähle ich auch noch zu meinen Hobbys.

 

Apropos Abenteuer. Seit 2018 verkaufst du deinen eigenen Beaver Gin 1088. 

Die Gründung des Unternehmens war tatsächlich schon im Februar 2017, aber bis zum ersten eigenen Produkt hat es noch fast ein Jahr gedauert. Am 13.01.2018 durfte ich dann endlich zum ersten Mal eine Flasche Beaver Gin in der Hand halten. 

 

Wie kommt man darauf, seinen eigenen Gin zu produzieren?

Die Idee ist Silvester 2016 entstanden. Wir haben mit Freunden gefeiert und ich sollte den Gin besorgen. Dadurch begründet, dass ich mich als Koch gerne um alles selbst kümmere, war für mich schnell klar: Ich probiere es einfach mal auf eigene Faust. 

 

Hattest du eine Destilliermaschine im Keller stehen oder wie?

Nein, ich habe mir von einem Kollegen eine Miniaturdestille geliehen und ausprobiert. Bei der Verkostung kam das Ganze dann so gut an, dass ich den Eindruck hatte: Das musst du irgendwie weiterverfolgen. Zwei Monate später habe ich die Firma gegründet.

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Das klingt als seist du schon vorher Gin-begeistert gewesen. 

Ja, Gin war immer ein Getränk, das ich sehr gerne getrunken habe. Als Kind –

 

Bist du in den Gin-Zaubertrank gefallen?

(Lacht) Nein, es hat auch nichts mit Alkohol zu tun. Allerdings habe ich als Kind schon sehr gerne diese „Bitter KAS“-Flaschen getrunken, die man eigentlich nur als Mischgetränk kennt.

 

Also der bittere Geschmack hat es dir schon immer angetan?

Ganz genau, vor allem das Chinin-Aroma. Deshalb war Gin Tonic bei mir auch immer auf dem Plan.

 

Was macht denn eigentlich einen richtig guten Gin aus?

Das ist nur meine persönliche Meinung, aber ein Gin braucht die klassische Wacholdernote. Heutzutage gibt es sehr viele moderne Gins, die mehr auf Zitrusaromen setzen, da merkt man kaum noch das ursprüngliche Getränk. 

 

Darf man einen guten Gin dann auch mischen? 

Ja, zum Beispiel mit Tonic auf jeden Fall. Es kommt aber immer auf das Getränk an. Mein Produkt mit dem Eichenstab trinke ich zum Beispiel am liebsten pur. Das ist aber, wie mit allen Dingen, Geschmackssache. 

Was hat es mit diesem Eichenstab auf sich?

Es gab in den letzten Jahren einfach eine Welle an neuen Gin-Getränken auf dem Markt. Bei der Frage, wie unser Produkt etwas Besonderes werden könnte, bin ich schließlich auf die Idee mit dem Eichenstab gekommen. Der Eichenholzstab ahmt die Fassreifung nach und ist mit dem Verschluss verbunden. 

 

Und dieser sorgt für einen anderen Geschmack?

Genau. Der Gin verändert sich farblich und geschmacklich komplett, sodass kaum noch Gemeinsamkeiten mit dem klaren Produkt bestehen. Da merkt man, was so ein bisschen Holz bewirken kann.

 

Wie verändert sich denn der Geschmack?

Es schmeckt in erster Linie tatsächlich holziger. Klingt einfach, ist aber so. Der Prozess ist vergleichbar mit Whisky, wo auch ein großer Teil des Geschmacks durch das Fass übertragen wird. Die größere Idee ist aber, jedes Produkt ein bisschen individuell zu formen. Zum Beispiel kann man den Eichenholzstab abflämmen, um Karamell- und Vanille-Aromen zu kreieren, oder für beerige Noten das Ganze in Portwein einlegen. Durch die verschiedenen Variationen ist jeder Gin auf seine Weise einzigartig.

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Ist die Idee mit dem Stab eine neue Erfindung?

Ich hatte ein ähnliches Konzept tatsächlich so noch nie gesehen. Daher habe ich ein Patent angemeldet, leider gibt es im deutschen Patentrecht ein paar Hindernisse. So ist heute nur der Eichenstab in Verbindung mit dem Verschluss als Gebrauchsmuster geschützt. 

 

Die Entwicklung der ersten Flasche dauerte also fast ein Jahr. Wie schnell produzierst du jetzt eine Flasche?

Wenn ich jetzt eine Produktion starte, bin ich mit der Beschaffung der Sachen, Mazeration und so weiter bei etwa zweieinhalb Wochen. Dazu kommt noch die eine Woche der Reifung vor der Abfüllung. Die lange Zeitspanne damals hatte andere Gründe. 

 

Der lange Weg zur ersten Flasche bestand also aus rechtlichen Hürden?

Genau. Außerdem haben wir verschiedene Dinge geschmacklich und in der Produktion ausprobiert. Ein Beispiel ist der Verschluss. Am Anfang habe ich einen Korkenverschluss genutzt, dieser hat im Versand aber immer wieder Probleme bereitet. Mittlerweile sind wir auf einen Drehverschluss umgestiegen. Dort ist ein Trägersystem eingebracht, um den Holzstab zu halten. So ist es oft, wenn man ein neues Produkt auf den Markt bringt. Da kann man leider nicht von der Stange kaufen und muss erfinderisch sein.

 

Am Ende dieses Weges steht der Beaver Gin 1088. Was bedeutet der Name?

Der Name hat mit meiner Heimat, Ostbevern, zu tun. Da dort die Bever fließt, sind bei dem Wort „Beaver“ die Buchstaben e und a etwas verschlungen, sodass man meistens nur das e liest. 

 

Jetzt geht mir ein Licht auf. Ich dachte der Grund wäre eher ein experimentierfreudiger Designer.

Das ehrlich gesagt auch, aber wir haben uns dabei schon etwas gedacht. Außerdem steht die Zahl 1088 für das Gründungsjahr von Ostbevern und schließt sich damit thematisch an. Ansonsten passt der Bieber als Tier einfach gut zu der Idee mit dem Holzstab. 

 

Warum war es dir wichtig, Ostbevern so prominent zu erwähnen?

Ich bin einfach ein Dorfkind und habe dementsprechend immer für Ostbevern gebrannt, jetzt eben auch den Schnaps.

 

Stehst du also selbst an der Destilliermaschine oder wie können wir uns das vorstellen?

Am Anfang war das tatsächlich so. Mittlerweile arbeite ich jedoch mit einem Betrieb im Münsterland zusammen. Dabei mische ich die Drogen zusammen, wie die Zutaten im Fachjargon heißen. Vor Ort ist dann ein Destillateur, der das Ganze nach meinen Vorgaben destilliert und den Ablauf regelt. 

 

Bekommst du denn sonst Unterstützung von der Firma?

Ich arbeite tatsächlich fast komplett allein. Auch der Seitenaufbau und Ähnliches wurde von mir übernommen. Eine große Hilfe ist für mich allerdings das Feedback von Kunden und Freunden. Nur so kann ich das Angebot noch verbessern.

 

Wie hat sich denn die Corona-Pandemie auf dein Geschäft ausgewirkt?

Die erste Konsequenz war tatsächlich, dass der Liter Ethanol von 74 Cent zu Beginn auf über sieben Euro hochgeschnellt sind. Aus dem einfachen Grund, dass alle ihre Hände mit dem Alkohol desinfizieren wollten. Die Nachfrage war riesig. Eine weitere Folge war, dass viele Großveranstaltungen ausgefallen sind, wo ich das Produkt testen und bewerben wollte.

 

Das ist als junges Unternehmen bestimmt frustrierend.

Ja, damals bin ich in ein kleines Loch gefallen. So ging es sehr vielen zu der Zeit. Immerhin habe ich die Gelegenheit genutzt, um den Online-Shop aufzubauen. Außerdem war ich durch meinen Job als Koch nicht komplett auf den Umsatz angewiesen, was natürlich eine Erleichterung war. 

 

Und jetzt von einer Krise in die nächste?

So fühlt es sich aktuell an, ja. Die Inflation macht bei den Rohstoffen alles andere als halt und viele Hersteller nehmen nur noch Großaufträge an. Dementsprechend komplizierter gestaltet sich momentan das Geschäft.

 

Wie sieht deine Kundschaft aus?

Die meisten kommen aus der Umgebung. Es ist ein eher ein hochpreisiges Produkt, das deshalb vorwiegend im Fachhandel zu finden ist. Wir haben aber auch schon Bestellungen aus dem Ausland bekommen. 

 

Wie kam es denn zu Bestellungen aus dem Ausland?

Eine der interessantesten Bestellungen kam vor ein paar Jahren aus England. Ein Schlossherr aus England hat anlässlich der Wiederansiedelung von einem Bieberpärchen eine Feier geplant und unseren Gin bestellt. Danach haben wir uns auch ein bisschen ausgetauscht. Leider ist der männliche Bieber nach etwa einem halben Jahr verstorben. Da hat unser Gin kein Glück gebracht. 

 

Hat der Herr einfach „Beaver“ und „Gin“ in die Suchleiste getippt und euch gefunden?

Scheinbar schon. Die Bestellung werde ich definitiv nie vergessen.

 

Normalerweise bist du aber Koch, sind die beiden Berufe vergleichbar?

Vergleichbar eigentlich nicht, da ich als Koch natürlich mit Alkohol und Gin wenig zu tun habe. Durch die Arbeit mit den Gewürzen kommt es dem Kochen aber wieder nahe. Es geht um Geschmack und Geschmacksbilder.

 

Alles eine Frage des Aromas also?

Genau. In diese Richtung war ich immer sehr experimentierfreudig. Ich habe mich in der Vergangenheit auch schon an Met, Wein und eigenem Sirup aus Basilikum- oder Rosenblüten probiert. 

 

Dann bleibt ja nur die Frage: Was kommt als nächstes?

Ansätze gibt es immer. Erstmal will ich mich aber darauf konzentrieren, den Gin weiter zu vermarkten und zu verbessern. Zeitlich ist es auch ein bisschen knapp. Um beim Thema ‚Kochen‘ zu bleiben: Ich mische aktuell in zu vielen Töpfen. 

 

Zum Ende des Gesprächs noch ein Geständnis: Ich bin, was Gin angeht, ein ziemlicher Laie.

Grundsätzlich ist das ja gut, Alkohol bleibt immerhin ein Nervengift. (lacht)

 

Welcher Gin ist denn für den Laien am besten geeignet?

Für den Anfang würde ich tatsächlich ein klares Produkt empfehlen. Viele Leute kommen vor allem mit dem bitteren Geschmack von einem Gin Tonic nicht zurecht; deshalb sind süßere Kombinationen oft besser geeignet. Auf unserer Homepage oder auf Instagram findest du auch viele Rezeptideen, die eher süß schmecken. 

 

Und unter welchem Motto stößt du mit Gin an?

Ich bleibe gerne beim klassischen Cheers.

 

Na dann: Cheers und danke für das Gespräch!

INFO

Robin Meiners

Er wird dieses Jahr im September 32 und lebt in Ostbevern. Er hat eine Ausbildung zum Koch abgeschlossen und arbeitet seit 2011 in der Küche der Uniklinik Münster. Im Februar 2017 gründete er die Firma ‚Biber Spirit UG‘. 

Autor David Olef / Illustration Thorsten Kambach / Fotos Robin Meiners

Erstmalig erschien dieser Text in Stadtgeflüster Interview September 2022

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