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Tim Schaepers fragt Lars Köppe nach einem Auftritt für den ESC

VOM HOBBY ZUM JOB

Wenn man Musik für sich schreibt und macht, ist das eine Sache. Wenn die dann nicht nur gut ankommt, sondern obendrauf noch ein Angebot kommt, für andere Musik zu machen und Texte zu schreiben, ist das schon eine andere Sache. Was für viele Musiker wie eine weitentfernte Zukunft klingt, ist für den 24-jährigen Studenten Realität. Angestellt an einem Verlag, textet er für andere Musizierende. Nebenbei bringt er seine eigene Karriere ebenfalls ins Rollen.

Wann hast du angefangen, Musik zu machen?

Eigentlich mache ich schon immer Musik. Mit klassischem Klavier habe ich im Alter von zehn, elf Jahren begonnen. Allerdings hatte ich nie große Lust, nach Noten zu spielen. Mit zwölf, dreizehn habe ich die ersten Songs geschrieben, die natürlich noch alles andere als gut waren. Ein paar Jahre später wurden die Songs dann besser.

 

Deine ersten Aufnahmen haben sicherlich noch im Kinderzimmer stattgefunden. Die Qualität deiner Lieder der letzten Jahre klingen nach Studio. Wo nimmst du zurzeit auf?

Mein Produzent wohnt in Berlin und hat dort ein Studio, in dem wir gemeinsam aufnehmen. Meistens bringe ich einen Song mit und wir tüfteln zusammen an den Feinheiten.

 

Wie kommst du zu deinem Berliner Produzenten?

Er wurde über Instagram auf mich aufmerksam. Dort lade ich immer mal wieder Songschnipsel hoch. Ihm hat gefallen, was er gehört hat, und mich angeschrieben. Ich habe ihm gezeigt, was ich noch an Songs und Texten geschrieben habe. Zufällig arbeitet er bei einem Verlag und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, als Songwriter zu arbeiten und für andere Songs zu schreiben. Ich hatte Bock und plötzlich arbeitet man bei einem Verlag.

 

So schnell kann es manchmal gehen. Aber du schreibst nicht nur für andere, du lädst auch immer noch eigene Musik hoch?

Genau. Bei Spotify gibt es zwei Lieder von mir als Lasse. Ich habe zwar auch vorher schon Songs aufgenommen, aber meine Fähigkeiten als Produzent haben mich daran gehindert, auf den bekannten Plattformen etwas hochzuladen. 

Darf man wissen, für wen du Songs geschrieben hast?

Ich würde jetzt ungern Namedropping betreiben. (lacht) Es waren bisher auch noch nicht die hochrenommierten Musiker, die man in ganz Deutschland kennt. In der Regel kennt jemand einen Musiker, eine Musikerin, man fährt dorthin zu einer gemütlichen Session und schaut, was dabei rauskommt.

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Seit wann läuft die Zusammenarbeit mit dem Verlag und dir als Songwriter?

Ich arbeite seit 2020 für den Siebenpunkt Verlag. Der konzentriert sich auf deutsche Schlagermusik. Wenn ich Angebote bekomme, dann meistens für Schlagersongs, was eigentlich nicht mein Gebiet ist. Oftmals nutze ich auch eigene Kontakte, um Songs für und mit anderen zu schreiben.

 

Ist das ein untypischer Nebenjob für dich oder ließe sich davon in näherer Zukunft bereits leben?

Im Moment ist es ein Nebenjob. Aber ich ziele darauf ab, irgendwann davon leben zu können. Als Musiker fing es bei mir an, dass ich auf Hochzeiten gespielt habe. Ich hoffe, dass ich irgendwann mit meiner Musik erfolgreich werde. Das ist meine Leidenschaft. Wobei ich soziale Arbeit auch sehr gerne mache – was ich derzeit noch studiere.

 

Du sprichst von Hochzeiten. Hattest du auch schon mal einen richtigen Auftritt auf einer Bühne als Lasse?

Als Lasse hatte ich bisher ein offizielles Konzert. Das war auch recht klein, doch ich erhielt meine erste Gage als Künstler. Jetzt im Juli spiele ich mein zweites Konzert – mit Band. Das wird ein größeres Ding.

 

Wo wird das sein und wie groß?

In Butzbach als Vorgruppe von Sarah Connor vor bis zu 4000 Zuschauern. Das wird auch das erste Mal mit Band sein, das zweite Mal als Lasse und das erste Mal mit ausschließlich eigenen Songs.

Da ist man doch sicherlich aufgeregt, oder?

Aufgeregt bin ich nie so richtig – nicht negativ zumindest. Eher gut aufgeregt, um besser zu sagen: Ich hab richtig Bock!

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Du bekommst bestimmt die Möglichkeit, Sarah Connor zu treffen, dann kannst du ihr direkt einen Deal zum Schreiben von ein paar Songs vorschlagen.

Ich denke, die Backstageräume werden getrennt sein, und ich möchte sie ungern volllabern. Ich weiß nicht einmal, ob sie weiß, wer die Vorband sein wird. Wir machen zwar beide Deutschpop, aber sie bedient eine ganz andere Zielgruppe als ich.

 

Wie sieht denn deine Zielgruppe aus? 

Ich würde sagen, weiblich und zwischen 18 und 35. Das lassen die Insights bei Instagram und TikTok jedenfalls vermuten.

 

Du hast gesagt, du wirst mit Band auftreten. Wer ist die Band? Seid ihr zusammen eine Band?

Eigentlich bin ich Solokünstler. Aber ich konnte mir schon immer gut vorstellen, bei Liveauftritten mit Band zu performen. Als die Anfrage mit Sarah Connor kam, waren wir zu dritt, zwei Freunde und ich, doch wir brauchten noch einen Bassisten, einen Pianisten und einen zweiten Gitarristen. Sie kamen über Bekannte zu uns. Ob diese Konstellation für immer so bestehen bleibt, kann man zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen.

 

Welche Musik hörst du, wer inspiriert dich?

Deutschrap höre ich viel. Aber eher die alten Sachen. Ich höre aber viel Deutschpop, um mich von Newcomern bis hin zu Mark Forster inspirieren zu lassen und um zu schauen, wie der Sound im Moment ist. Du willst ja nicht nach 2018 klingen, sondern modern.

 

Also hauptsächlich deutsche Musik?

Auf jeden Fall. Englische Musik höre ich fast gar nicht – nur im Radio.

 

Wenn du Deutschrap hörst, käme mir als Erstes in den Sinn, dass du ebenfalls Deutschrap machst. Hast du mal gerappt oder rappst du gar unter einem anderen Pseudonym?

Ich glaube, dafür habe ich nicht die Stimme und nicht die richtige Attitüde. Zwar habe ich es mal versucht, musste aber feststellen, dass ich keinen Flow habe. Texte waren nicht das Problem, aber ich bin eher der Sänger.

 

Du hast einen Produzenten, einen Manager, das mutet schon sehr professionell an. Wie sehen deine konkreten Pläne für die Zukunft aus? Du wirst erst mal deinen Bachelor in Sozialer Arbeit machen?

(lacht) Das hätte auch meine Mutter sagen können. Das ist für mich erst mal hintangestellt. Wenn die Musik passiert, dann passiert sie. Am Tag des Konzerts hätte ich zum Beispiel eine Prüfung und habe meine Prioritäten zugunsten der Musik verschoben.

 

Das kann ich verstehen. Jetzt bist du im Spiel und so eine Chance bekommt man nicht alle Tage.

Genau. Seminare kann man auch nachholen. Am Ende macht es keinen Unterschied, ob ich sieben oder acht Semester studiert habe. Vierzehn Semester wären mir auch zu viel, aber mit ein paar mehr kann ich leben. (lacht)

 

Das sehe ich auch so. Außerdem gibt es in dem Bereich sehr viele Jobs.

Zurück zu meinen Plänen. Wir bringen dieses Jahr im November noch eine EP mit sechs Songs raus. Daraus wird es vier Singleauskoppelungen geben.

 

Wie wird sie heißen?

Das steht noch ein bisschen in den Sternen. Ich habe meine Ideen und meinen Grundgedanken zur EP, aber es kommt immer was hinzu, es wird was weggelassen. Bis zur fertigen Platte ist es ein langer Prozess, bei dem sich immer fast alles ändern kann. Wenn ich zwischendurch eine geile Idee habe, dann muss die noch eingearbeitet werden, wobei das Grundgerüst der Songs steht.

 

Wo soll die musikalische Reise einmal hingehen?

Ich träume viel und kann mir sehr, sehr gut vorstellen, mit meiner Musik deutschlandweit bekannt zu werden. Würde ich mir jedenfalls wünschen. Ich bin auch irgendwie der Typ dafür, denn ich liebe es, im Mittelpunkt zu stehen, was nicht jeder gerne macht.

 

Das stimmt auf jeden Fall.

Sollte das nicht klappen, habe ich kein Problem damit, soziale Arbeit zu machen, weil sie mir auch riesige Freude macht. Doch bis zum letzten Stich werde ich alles auf die Musik setzen.

 

Im März war der ESC und Deutschland hat den letzten Platz gemacht. Hast du das verfolgt?

Habe ich noch nie richtig verfolgt. Der ESC war nie mein Ding.

 

Und wenn jetzt jemand auf dich zukäme und fragt: „Lasse, magst du nicht für Deutschland beim ESC antreten?“

Würde ich wahrscheinlich ablehnen. Es wird auch zu viel auf Englisch gesungen, wie ich finde, und die englische Sprache ist nicht meins. Ich spreche dann wohl mit starkem deutschen Akzent und das ist nicht Sinn der Sache.

 

Hast du es schon mal auf Englisch probiert?

Ja. Und es ist komplett in die Hose gegangen. (lacht)

 

Dann bleib bei der Sprache, die du gut sprichst. Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für deine Musikkarriere!

Danke!

INFO

Lars Köppe

Er zog es vor fünf Jahren aus Gütersloh nach Münster. Als Lasse will sich der 24-Jährige im Singer-Songwriter-Geschäft einen Namen machen. Neben der Musik kickt er bei Mladost, studiert Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule in Münster und arbeitet beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM).

Autor Tim Schaepers / Illustration Thorsten Kambach / Fotos Lars Köppe

Erstmalig erschien dieser Text in Stadtgeflüster Interview August 2022

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