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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Peter Sauer spricht mit Queen Tafari über Noten, Wilsberg, Miami und Lego

MIT CATERING-VIDEOS AB NACH MIAMI

Ob beim Summerjam-Festival in Köln oder im Schaf in Münster: DJane Queen Tafari alias Thatyana Rottig begeistert seit einiger Zeit das Publikum. Ihr mitreißender Mix aus Personality, Lyric, Black Music und Hip Hop, mit jeder Menge Jamaika drin, rockt. Keine Frage, die Münsteranerin liebt Musik. Aber nicht nur das, wie unser Mitarbeiter Peter Sauer im Gespräch mit Thatyana erfuhr, die ja schon von ihrem Vornamen einmalig ist.

Grüß Dich Thatyana, stimmt es das Du eine Katzenmama bist?



Und wie. Ich mutiere zur Crazy Cat Mum. Meine Sphynx-Katzen sind gut erzogen, die Wohnung bleibt sauber und sie können jede Nacht mit mir im Bett schlafen, ohne, dass ich ein Problem mit Haaren habe. Die drei sehen aus wie kleine Aliens oder Meister Yoda.



Du lebst seit Deinem 13. Lebensjahr in Münster. Wie kamst Du von Deinem Geburtsort Bocholt nach Münster?



Aufgewachsen bin ich in Wesel, aber mit 13 entschied ich mich zu meiner Tante nach Münster zu ziehen. Das war besser für mich. Meinte Tante wohnte damals am Aasee. 



Nach der Friedensschule hast Du an der Hildegardisschule einen Fachabschluss im sozialen Bereich gemacht. Du hast als Schulungsleiterin bei einem Kommunikationsunternehmen gearbeitet. Wie wurdest Du DJane Queen Tafari?



Das hat viel mit der Corona-Zeit zu tun. Ich habe zwar vorher immer schon privat aufgelegt, aber nach Ende der Pandemie suchten Clubs händeringend nach DJs. 



Und Du hast Dich beworben?



Gleich bundesweit, bei Adressen, die mir empfohlen worden sind - übers Internet. Und ich bekam viele Zusagen: aus Dortmund, Berlin, Bremen und Münster. Binnen kürzester Zeit hatte ich meinen ganzen Kalender voll und hatte dann einfach meine Festanstellung gekündigt.



Wie hat das angefangen mit der Liebe zur Musik?



Solange ich denken kann, singe ich schon. Ich habe dann mit 6 oder 7 zwei Jahre lang Klavierunterricht gehabt, mich aber lieber auf den Sport konzentriert. Beim Klavier spielen konnte ich damals keine Noten lesen. 



Und dann?



Meine Klavierlehrerin musste mir immer Zahlen über die Noten schreiben. Meine Tante hat mich später in Münster gefördert und mir Gesangsunterricht besorgt. Ich merkte aber, dass ich nicht Sängerin werden wollte, sondern sehr viel aus der Musik schöpfen kann, die es schon gibt. Dann habe ich mir den ersten DJ-Controller gekauft. Mit 17. Mittlerweile kann ich auch Noten lesen und produziere Beats am MIDI-Keyboard, aber eher für mich privat.



Wo ging es mit Dir als DJane los?



In Amelsbüren. Da hatten wir mit guten Freunden und Bekannten einen eigenen Hof mit zwei Wohnwagen, Trampolin, Boxen und selbstgebauter DJ-Bühne. Ich fühle Musik sehr und möchte sie mit den Menschen teilen. Und da habe ich dann angefangen zu spielen. Weiter ging’s dann auf privaten Partys. Heute spiele ich in Clubs und auf Festivals.



Welche Musik magst Du am liebsten?



Ich bin ein großer Fan von Tracy Chapman, Lauryn Hill und Amy Winehouse, liebe alles, was gefühlvoll ist.  Bei mir zuhause spiele ich nur Reggae, Dancehall, Afrobeats, Hiphop, manchmal ein bisschen Punk. Als DJane spiele ich zusätzlich 80s, 90s und Elektro-House. Ich habe auch mal als Muse bei anderen Künstlern bei Songs mitgewirkt.



Interessant. Beim wem warst Du Muse, Thatyana?



In der Reggae- und Dancehall-Szene. Da war ich ungefähr 20 und lernte viele meiner Lieblingskünstler kennen, wie Kabaka Pyramid, Anthony B und Peetah Morgan. In jüngerer Vergangenheit habe ich mit Yaksta aus Jamaika gearbeitet.



Wie hast Du das alles geschafft?



Alles fing bei einem Festival an, wo ich fürs Catering Videos aufgenommen habe mit den Musikern. Danach wurde ich als Social-Media-Managerin fürs Summerjam Festival tätig, sechs oder sieben 6 oder 7 Jahre lang und führte Interviews und produzierte den Content. Die Künstler waren sehr offen und ließen mich drehen. Man traf sich immer wieder bei verschiedenen Shows, ich ließ mich aber nie verführen und so habe ich dann Respekt bekommen. 



Inwiefern?



Wenn ich Videos machte, war das kostenlos, wenn der Catering Chef Videos mit Künstlern machte, musste er bezahlen. Und über die Videos habe ich Kabaka Pyramid kennengelernt. Ich war mit ihm damals eine Woche in den USA. 


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Ich fühle Musik und möchte sie mit Menschen teilen

Wow!



Ja, Ich hatte ein eigenes Zimmer bei ihm in der DJ-Hochburg. Miami. Kakaba war superlieb. Er hat in der Zeit an einem Album gearbeitet, wir haben uns viel über Musik und Weltpolitik ausgetauscht und abends brachte ich ihm Kartenspiele wie zum Beispiel Durak bei. Es war eine schöne Zeit. Bis heute stehen wir in Kontakt und ich besuche seine Shows mit meinen Freunden.



Klasse! Und lief Dein allererster Auftritt als DJane?



Alles ging los im „Schwarzen Schaf“. Das muss so Ende April 2021 gewesen sein, nachdem die ersten Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben waren. Damals war ich noch im Job bei dem Kommunikationsunternehmern und erläuterte den Mitarbeitern die neueste Software.



Warst Du nicht nervös, das erste Mal hinter den Turntables in der Öffentlichkeit und dann gleich im „Schwarzen Schaf“?



Ja klar, supernervös. Ich hatte Glück und wurde gefragt, ob ich für jemanden einspringen könnte. 



Klingt gut . . .



Ja, aber ich sollte direkt von 0 auf 100.



Das heißt?



Ich sollte bei meinem DJane-Debüt sofort sieben Stunden am Stück spielen.


Nochmals wow!



Richtig, denn ich wusste gar nicht, ob ich das kann. Ich nahm einen guten Freund mit. Ich brauchte am Anfang immer seelische Unterstützung. 



Und wie kam Dein Debüt an?



So gut, dass ich vom Schwarzen Schaf seitdem regelmäßig, also wöchentlich, eingesetzt werde. 



Musst Du proben?



Manche DJs und DJanes spielen immer das Gleiche runter, ich nicht. Ich habe meine Musik im Kopf. 



Wie funktioniert das?



Ein Tag vor dem DJ-Set im jeweiligen Club spüre ich, ja ich fühle, was ich spielen will, und sortiere meine Datenbank etwas vor. Den Rest improvisiere ich spontan anhand der Crowd im Club. Ich orientiere mich aber auch an meiner eigenen Stimmung und Erfahrung. 



Das heißt?



Welche Stimmung die Party anspricht, welche Musik ich hören will, zu der ich tanzen will, was in mir etwas auslöst und welche Drops gut laufen. Das ist mein Qualitätsmaßstab. 



Wie sieht Dein Programm ungefähr aus?



Es kommt auf die Party und mein Set-Beginn an. Meistens fange ich mit 90-ties Hiphop-Songs an, gerne Fugees, oder mit Dr. Dre, vielleicht auch Faithless und baue die Stimmung dann auf bis zur Peak-Time. Auf Afro-Partys spiele ich dementsprechend Afrobeats. 



Wie ist Dein DJane -Name Queen Tafari entstanden?



Schon früh, Peter. Im 7.oder 8. Schuljahr. Die Lehrer meinten damals im Rahmen des Unterrichts im Umgang mit Computern und Internet und so, dass man nie seinen Klarnamen im Internet posten sollte und man das nur mit Pseudonym machen sollte. 



Thatyana, wo stammt Dein DJane-Name her?



Von Ras Tafari Makonnen. Der war der erste schwarze König in Äthiopien und König unter den Rastafaris. Deswegen nenne ich mich Queen TAFARI. Mit 15 Jahren hatte ich mich schon heimlich auf Reggaepartys in die Clubs am Hawerkamp reingeschlichen. So war ich schnell in der Szene drin und lernte Reggae lieben.



Hast Du Deine Dreadlocks eigentlich schon immer?



Die Dreadlocks habe ich mit 15 Jahren bekommen, kurz vor dem Zehner-Abschluss. Die werde ich auch immer an mir haben, die werden immer nur regelmäßig etwas gebändigt, also gekürzt.  



Was war Dein bislang größter Auftritt als DJane?



Beim Summerjam-Festival 2024 und 2025 in Köln. 



Das ist eine Hausnummer, wie geht’s 2026 weiter?



Ich werde auch 2026 wieder beim Summerjam-Festival sein. Und bei der Caribbean Night auf der Roemer Insel in Bad Oeynhausen.


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Ich werde regelmäßig vom Schwarzen Schaf eingesetzt

In Bad Oeynhausen, dem Kurort?



Ja, Peter. Ich war auch erst überrascht, aber das Festival dort ist cool. Viel werde ich wieder in Bars und Clubs in Münster auflegen. Wir planen da eine besondere Reihe im Triptychon und im a.cat an der Herwarthstraße 7.



Interessant. Was kannst Du unseren Lesern und Leserinnen exklusiv verraten?



Na gut, auf jeden Fall, dass es um Reggae, Dancehall und Afrobeats geht. Lasst Euch überraschen!



Was muss mir darunter vorstellen?



Songs mit Text, kein Instrumental-Electro wie Techno. Ich spiele zum Beispiel Hip-Hop, Dancehall, Afrobeats. Der Hiphop der 90er. Ich bin da eher Oldschool: Fugees, Wyclef Jean, Salt`Pepa – und grundsätzlich alles, was aus Jamaika kommt.



Salt`Pepa habe ich auch im Schrank. Geiles Duo...



Genau.



Wie sieht die private Thatyana aus?



Meine Freunde sagen immer, ich wäre eigentlich eine Rentnerin! 



Mit gerade mal 28?



Ich stehe aus Filmen aus den 80ern und gucke gerne Wilsberg, Bares für Rares, den Münster-Tatort, habe die Wilsberg-Bücher von Jürgen Kehrer gelesen und Legofiguren von den Wilsberg-Hauptdarstellern produziert.



Legofiguren?



Ja, die habe ich selbst entworfen, von Oliver Korittke und Leonard Lansink und dann produziere lassen. Beim letzten Dreh habe ich die auch vor kurzem beide in Münster getroffen. Oliver Korittke finde ich toll seit dem Film „BangBoomBang“. Den habe ich bestimmt 400-mal gesehen. 



Wie kamst Du in Kontakt zu Oliver Korittke?



Wir sind uns irgendwann über Instagram gefolgt - wir teilen das Interesse für Sammelfiguren.



Wie kamst Du auf die Legofiguren?



Das war eine Schnapsidee. Es gab einen Trend bei Instagram, wo viele Ihre Profilbilder mit Hilfe von KI in einen Anime-Style verwandelt haben. Da ich nicht auf Animes stehe, habe ich es mit Lego ausprobiert. Ich habe erst ein Foto von mir genommen. Das nächste Bild in meiner Handy-Fotogalerie war durch Zufall ein Foto von Ekki und Wilsberg, also von Oliver und Leonard. Olli und ich fanden es cool, wenn es die wirklich geben würde. Und dann habe ich die Figuren nach meinen Entwürfen produzieren lassen, auch die Verpackung. 



Wie viel gibt es?



Sie sind bisher auf 25 Stück limitiert und haben eine hohe Nachfrage, so schnell gebe ich sie aber nicht aus der Hand. Olli und Leonard besitzen schon welche. Aktuell baue ich das Antiquariat Wilsberg mit Lego nach. Das möchte ich mit MS4Life auf den Markt bringen, dafür stehen wir schon im Austausch. 


Was machst Du privat?



Ich male mit Acrylfarben ganz nach Gefühl.



Kommt immer das raus, was Du am Anfang wolltest?



Weniger. Aus einem Bild Sonnenuntergang ist mal ein Löwe geworden. Aber das Malen ist gut, um runterzukommen. Tanzen, feiern, bewegen, Gedanken fallen lassen.



Es gibt ja DJs, die stehen fest an den Turntables. Was bist Du für ein DJ-Typ?



Ich bin mein größter Fan, also von der Musik, die ich spiele. Ich liebe es die Leute zu der Musik tanzen zu sehen, reiß die Arme hoch und feiere mit, während ich auflege. In der Regel mag ich ja, was ich auflege.



In der Regel?



Ja, auf Hochzeiten mache ich mal Ausnahmen. 



Was bedeutet Dir Musik?



Einfach alles, Peter. Ich kann mit Musik meine Gefühle ausdrücken, ein Sprachrohr finden, um andere Menschen damit zu erreichen und mitzunehmen, sie glücklich zu machen.



Wie geht’s es bei Dir morgens los? 



Ich hüpfe singend ins Badezimmer. Morgens habe ich oft einen Ohrwurm. Ich weiß auch nicht, wo der immer herkommt. Random. So stehe ich dann im Bad, erstmal ein Lied - zehnmal nacheinander.



Apropos, was ist gerade Dein Ohrwurm?



Von Kabaka Pyramid der Song „Well Done“ - ein sehr politischer. sozialkritischer Reggae-Song, der sarkastisch die jamaikanischen Politiker für die Probleme des Landes kritisiert. Es geht um Korruption und Ausbeutung und falsche Versprechen. Morgen wird es ein anderer Song sein.   


DJane Queen Tafari heißt bürgerlich Thatyana Rottig, geboren am 20.Mai 1997 in Bocholt. Seit 2000 lebt sie in Münster. Die Deutsch-Brasilianerin wohnt in Mecklenbeck. Sie hat IT am Hans-Böckler-Berufskolleg studiert. Als DJane ist ihr Alleinstellungsmerkmal: Songs mit Lyrics- und Black Music/Hip Hop. In ihrer Freizeit skatet Thatyana gerne, geht ins Fitnessstudio und stellt Legofiguren her.

www.instagram.com/queentafari/

lllustration Thorsten Kambach / Fotos Thatyana Rottig

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