
Peter Sauer spricht mit Rebecca Borchert über Feigeneis, Heidi Klum und John Wick
FROM ZERO TO HERO
Man kennt ihr Gesicht etwa aus der Marie Claire oder aus der Netto-Werbung. Model und Schauspielerin Rebecca Borchert, geborene Krüger, hat aber zum Beispiel auch im „Tatort“ mitgemacht und den wunderbaren Film „Die letzte Hexe“ gedreht. Kurz vor dem Kinostart ihres aktuellen internationalen Films „Cool Down“ konnte sich unser Mitarbeiter Peter Sauer mit der waschechten Münsteranerin unterhalten.
Liebe Rebecca, wo bist du aufgewachsen?
Ich bin ein Kind der dritten Generation des Familienunternehmens Krüger GmbH & Co. KG Projektbüro Wohnen, das sich im Interieur-Design einen Namen gemacht hat. Aufgewachsen bin ich in Gremmendorf am Krögerweg.
Mitten im Gewerbegebiet?
Richtig, aber wunderbar mit mehreren Generationen, also mit meiner Zwillingsschwester, meiner jüngeren Schwester, meinen Eltern, aber auch mit Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins, alle unter einem Dach.
Was war dein schönstes Kindheitserlebnis?
Auf Mallorca war neben unserer Finca ein unbenutzter Bauernhof mit ganz vielen Tieren. Mit denen haben wir viel gespielt. Da standen sehr viele Feigenbäume. Wir haben Feigen gepflückt und die karamellisiert und mit Vanilleeis zu tollem Feigeneis verwandelt.
Was wolltest du als Kind werden?
Als mein Vater Reinhold Krüger noch lebte, wollte ich Innenarchitektin werden, danach Flugbegleiterin und dann Model, wie meine Mama Brigitte Krüger früher. Ich habe mir alles selbst aufgebaut mit meiner Modelkarriere. Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich nicht modeln würde. Natürlich wollte ich als Kind auch gerne Prinzessin werden.
Biste damals auch als Prinzessin rumgelaufen?
Das mache ich heute noch.
Für deine beiden Kinder?
Nicht nur. Auch so, zum Beispiel zu Karneval oder auf Partys. Das Kind im Erwachsenen darf man nie vergessen.
Richtig. Nun bist du Model und Schauspielerin. Wie kamst du zum Beruf? Wurdest du entdeckt oder war alles dein eigener Antrieb?
Das war vorwiegend mein eigener Antrieb, aber ich wurde damals auch immer mal gefragt, ob ich modeln würde. Purabyo aus Senden, die rein pflanzliche Mikronährstoffe herstellen, hatten mich damals als Erstes angefragt. Aber eigentlich habe ich mir alles selbst aufgebaut.
Wie Sarah Connor es so trefflich singt: „From Zero to Hero“?
Ja, „From Zero to Hero“ trifft es perfekt. Ich habe nach der Trennung und der Scheidung von meinem Exmann meine Träume wiederbelebt.
Du hast auch studiert?
Ja, ein Semester in Stuttgart, Musiktherapie. Aber ich habe schnell erkannt, dass das nicht zu mir passt. Ich habe mir am Anfang ein Modelcoaching bei Miriam Rautert gebucht, einer renommierten Ausbilderin. Das Modelcoaching ist eine zertifizierte Ausbildung via Fernunterricht. Das hat mir sehr viel geholfen. Ich habe dann in Aachen meine Schauspielausbildung gemacht, viele Weiterbildungen schlossen sich an.
Warum Film?
Das ist gerade als Model ganz hilfreich, auch für die Castings – ganz besonders, wenn man in der Werbung tätig ist. Gerade hier sollte man schauspielerische Fähigkeiten haben, um erfolgreich abliefern zu können.
Wie sehr hat dir die Schauspielausbildung bei deiner Modelkarriere geholfen?
Sehr. Ich bin zu 100 Prozent besser geworden als vor der Ausbildung. Ich verlasse mich auf meine Instinkte. Ich weiß, wie ich Rollen tiefer gestalten kann, so dass ich sie nicht oberflächlich spiele, sondern mich in die Protagonistin hineinversetzen kann, quasi in eine neue Rolle schlüpfe und darin aufgehe.
Reicht dazu nicht, böse gefragt, nur ein schöner Körper?
Eben nicht. Du kannst ein schönes Gesicht haben. Aber wenn Du Deine Emotionen nicht spielen und die nicht rüberbringen kannst, bist Du einfach nur eine Hülle. Und das ist zu schade. Emotionen sind sehr wichtig, gerade auch als Model. Schön sein alleine reicht nicht. Du brauchst Persönlichkeit!
Ich habe dich neulich auf Plakaten der Netto-Kampagne, aber auch in einem Beauty-Spot von Rosental Organics gesehen. Aber du machst auch Shootings für internationale Mode- und Beauty-Magazine, richtig?
Genau. Zuletzt war ich für die Marie Claire in Argentinien, die Fotos wurden allerdings in Deutschland gemacht, in Frankfurt. In Münster habe ich zum Beispiel für das White Wedding-Hochzeitsmagazin gemodelt.
Was waren deine bislang größten Herausforderungen?
An Grenzen zu gehen. Zum Beispiel bei der Netto-Kampagne. Da war ich krank. Ich hatte Fieber.
Und dann?
Ich habe das durchgezogen, obwohl ich damals körperlich fertig war.
Wahnsinn!
Ja, mir hat es zum Glück kaum jemand angesehen.
Eine echte Heldin, klasse! Was ist die größte Herausforderung bei deiner Arbeit?
Die größte Herausforderung ist es, drehfreie Zeiten zu durchstehen, dass man dranbleibt und seinen Mindset nicht verliert und den Kopf produktiv nutzt. Ich versuche dann, mich zu optimieren, neue Skills aufzubauen. Zum Beispiel trainiere ich ganz gerne Kung Fu und aktuell lerne ich Spanisch.
Was war dein schönstes Erlebnis beim Film?
Als Mutter von zwei Kindern habe ich in der Serie „Welcome to Uelzen – Better than expected“ gerne die Mutterrolle übernommen. Ich liebe es immer, mit Tieren und Kindern zu arbeiten. Beim Film „Die letzte Hexe“ von René Blanche haben wir mit einem Wolf gedreht.
Mit einem Wolf?
Also in Wirklichkeit war es ein Hund, der wie ein Wolf aussah, haha. Ich habe ja auch eine Hexe gespielt, ohne jetzt eine zu sein.

From Zero to Hero
Stimmt! Läuft bei deiner Arbeit auch mal was schief?
Meine Arbeit ist an jedem Set anders und das liebe ich so daran. Bei der Kampagne für Mera – The Petfood Family gab es mal Action mit meiner Kollegin vor der Kamera, einer Katze. Die arme Katze war leider krank. An dem Drehtag konnte sie leider nicht das abliefern, was sie sonst so draufhatte. Ich glaube, die Fahrt zum Set war etwas zu holprig. Und da lag dann also die kranke Katze alle Viere von sich gestreckt auf dem Boden, anstatt hochzuspringen. Es konnte so schnell keine neue Katze organisiert werden. So musste das Skript spontan umgeschrieben werden.
Was hältst du als Model von Castings à la Heidi Klum?
„Germany's Next Topmodel“ ist ja eine Unterhaltungssendung. Ich schaue die gerne. Aber: Die Fotos, die da gemacht werden, haben wenig mit dem eigentlichen Model-Business zu tun, die kannst Du nicht unbedingt verwenden. Ich glaube, dass „Germany's Next Topmodel“ auf jeden Fall eine coole Reise ist. Allerdings ist im Business die Konkurrenz viel größer als in dieser TV-Show. Und die Frauen und Männer, die bei Heidi Klum gewinnen, müssen später im Business trotzdem bei null anfangen, um ihre Karriere richtig aufbauen zu können.
Hattest du dich auch mal bei Heidi Klum beworben?
Ja, aber ich wurde damals nicht genommen.
Unfassbar. Schade. Hast du eigentlich Vorbilder?
Nein, nicht wirklich.
Warum?
Ich möchte nicht die Kopie von jemand anderem sein. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Authentisch, ein Original sein. Mein eigenes Feuer bringen. Ich habe viele große Träume und Visionen, die möchte ich leben.
Hand aufs Herz: Wie wichtig ist dir Schminke?
Natürlichkeit ist mir sehr wichtig. Dafür werde ich gebucht. Im Alltag bin ich häufig ungeschminkt. Aber: Auf Skincare lege ich sehr viel Wert. Ich habe früher viel mit Akne zu tun gehabt. Es war ein langer Kampf, damit ich die Haut bekam, die ich jetzt habe. Grundsätzlich mag ich beide Seelen in mir: ungeschminkt und gestylt, wenn ich zum Beispiel zum Salsa tanzen rausgehe.
Würdest du dich als Model runterhungern?
Ein deutliches Nein. Ich kenne viele Models in meinem Kolleginnenkreis, die struggeln. Die können kaum was essen, haben keine Lebensqualität mehr. Dabei gibt es so viele Bereiche, um als Model erfolgreich performen zu können.
Was heißt das?
Man denkt immer, wenn man dicker ist, kriegt man keine Jobs mehr. Das ist Bullshit. Du kannst aus allem eine Marke machen. Auch mit Konfektionsgröße 44. Dann bist Du halt Plus-Size-Model.
Da musste schon eine gute Kämpferin sein …
Genau!
Biste eine?
Ja.

Ich möchte meinen eigenen Weg gehen
Das stimmt. Als Erstes fielen mir übrigens deine Augen auf, wie ein Lichtstrahl. Wie wichtig sind Augen für deine Arbeit?
Sehr wichtig. Augen sind immer das Spiegelbild der Seele. Du kannst sehr viel über die Augen lesen.
Es geht also nicht nur um Schönheit?
Schöne Menschen gibt es viele, aber Menschen, die etwas mitbringen, nicht nur das Äußerliche, sondern auch diese ganz besondere Energie – die sind wichtig! Die Persönlichkeit ist das, was aus den Augen spricht. Für mich sind Augen daher das Wichtigste am Körper.
Warum?
Ich meine, gerade als Filmschauspielerin ist weniger mehr. Und die Augen sind hier extrem wichtig.
Du machst ja auch Stunts und Kung Fu. Wie kam das?
Als Teenie habe ich Leichtathletik gemacht. Ich war beim LG Ratio Münster. Ich habe mit der späteren Olympionikin Tatjana Pinto die Deutsche Meisterschaft gerockt im Staffellauf. Dann hatte ich mit 14 einen schweren Unfall. Ich war dann ein Jahr im Krankenhaus, es gab viele Operationen. Das hat mich rausgebracht aus der Leichtathletikkarriere.
Verstehe. Aber als Kämpferin …
Danke, Peter, genau: Ich habe dann mit Kung-Fu angefangen. Vier Jahre habe ich Ving Tsun trainiert, das ist viel mit Nahkampf. Dann habe ich in der Schauspielausbildung einen Stuntchoreographen gehabt: Kwan Jao. Der hat mit mir die Kampf-Choreografien gemacht. Ich liebe das. Ich habe dann vor 1,5 Jahren mit Shaolin-Kung-Fu angefangen. Dabei geht es um die großen, weiten Bewegungen und das Formenlaufen.
So wie bei John Wick?
Ja. Der macht auch diese weiten Bewegungen. Mein Stuntfight-Choreograph sagte immer, dass ich wie John Wick kämpfe.
Dann sieht man dich sicher bald in solchen Szenen im TV oder im Kino, oder?
Aktuell mache ich Stunts im internationalen Klima-Thriller „Cool Down“ von Felix Meinhardt, der auf dem Roman „Total Reset“ beruht. Dort spiele ich die zweite Unteroffizierin mit Stunts. „Cool Down“ kommt im Herbst in die Kinos. Ich träume davon, starke Frauenrollen zu spielen, etwa bei „Alarm für Cobra 11“ oder im „Tatort“.
Im „Tatort“ hast du ja schon mal mitgemacht?
Ja, als Gerichtsmedizinerin habe ich in einem Wald eine Leiche obduziert.
Apropos Wald. Stimmt es, dass du Bäume so liebst?
Für mich sind Bäume reine Magie und Kraftorte. Bäume strahlen so eine Stärke und Ruhe aus. Ich bin auch im „Team Bäume umarmen“. Ich bin sehr hochsensibel und spüre Energien sehr stark und auch die Energien von Bäumen.
Wie sieht außerdem deine Freizeit aus?
Ich tanze gerne Salsa, Bachata, Merengue und liebe auch das freie Tanzen. Ich schwimme gerne und fahre viel Rennrad, gehe ins Fitnessstudio und koche bevorzugt die grüne und gesunde Küche, bin aber keine Veganerin.
Rebecca Borchert, * 1992 geborene Krüger, lebt in Münsters Norden, hat zwei Kinder. Sie modelt (Beauty, Schmuck, Commercial, Sport, E-Commerce), in den sozialen Netzwerken gibt sie u. a. Beauty- und Persönlichkeitstipps. Als Schauspielerin hat sie vor allem „Die letzte Hexe“, „Faking Hitler“ und „Cool Down“ gedreht, zwei goldene Delfine in Cannes gewonnen und die Goldene Anna. Infos: https://rebecca-borchert.de/; https://www.filmmakers.eu/de/actors/rebecca-borchert.
lllustration Thorsten Kambach / Fotos Portfolio Rebecca Borchert


