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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Peter Sauer spricht mit Ina Paule Klink über „Wilsberg“, Hollywood und Münster

WER IST SAMUEL L. JACKSON?

20 Jahre begeisterte sie als Alex Holtkamp im „Wilsberg“, seit 2016 spielt Ina Paule Klink die Anwältin Dominique Kuster im „Zürich-Krimi“. Zwischen ihrem dritten Album „Wunderschön unperfekt“ und dem neuen im Frühjahr erscheinenden Longplayer besucht sie am 16. August wieder Münster. Dann steht sie als Singer-Songwriterin Paule mit ihrer Band um 20 Uhr im Jovel auf der Bühne. Quasi ein Heimspiel.

Hallo Paule, wo treffe ich dich gerade an?


Ich bin in Berlin auf dem Weg vom Reitstall nach Hause. Ich habe den Reitverein meines Vaters ehrenamtlich zusammen mit weiteren Personen übernommen und kümmere mich mit vielen Helfern um den Hof und die Pferde. Neben den Einstellern gibt es viele Schulpferde, also immer was zu tun.


Hast du ein eigenes Pferd?


Ja, meinen Holsteiner Wallach namens Pummel.


Was steht derzeit für dich beruflich an?


Ende August beginnen die Dreharbeiten zu einer neuen Folge „Der Zürich-Krimi“ mit meinem wunderbaren Kollegen Christian Kohlund. Und ich schreibe gerade an meinem dritten Musikalbum.


Dabei arbeitetest du schon länger mit einem festen Team zusammen...


Das stimmt. Meinen Produzenten, Wayne Jackson, kenne ich seit über 20 Jahren. Wir haben schon bei „Los Helmstedt“, der Band von „Ärzte“-Drummer Bela B., gespielt, auch mal live in Münster, bei der MTV „Campus Invasion“ an der Uni. Jetzt spielt Wayne in meiner Band E-Gitarre, Bassdrum und singt. Michael O’Ryan spielt Kontrabass und Jan Stolterfoht Akustik-Gitarre. Wir kennen uns alle wirklich gut und haben Spaß auf der Bühne. Das ist toll.


Du spielst mit deiner Band am 16. August im Jovel. Können wir uns auch auf ganz neue Songs freuen?


Keine schlechte Idee, Peter. Ich muss mal sehen. Es könnte schon sein, dass wir den einen oder anderen neuen Song spielen.


Wie ist es, nun mit Paule & Band zurück nach Münster zu kommen?


Das ist wunderbar, jetzt als Musikerin in die Stadt zurückzukommen, in der ich 20 Jahre lang „Wilsberg“ gedreht habe. Ich bin Steffi Stephan sehr dankbar, dass ich im Jovel auftreten kann. Ich war da zuletzt bei einem Konzert mit Max Buskohl 2015. Das Jovel ist ein toller Club mit wunderbarer Live-Atmosphäre. Ich freue mich sehr auf Münster, auf die „Wilsberg“-Fans“, von denen viele ja gar nicht wissen, dass ich Musik mache.


Welche Erinnerungen hast du an Münster?


Tausende. Ist eigentlich der Hauptbahnhof fertig?


Ja.


Oh, ich kenne den nur als große Baustelle. Dann muss ich mir den mal ansehen. Ich saß früher immer gerne nach Drehschluss auf den Treppen am Aasee mit einem Weinchen in der Hand den Sonnenuntergang gucken.


Was magst du an Münster?


Ich mag den Humor der Münsteraner, wie sie das Leben genießen, das spürt man in der Stadt. Die Münsteraner sind nicht so gestresst wie die Berliner. Alles ist eine Spur gemütlicher. Ja, Münster ist ein schönes Städtchen, bis auf den nervigen Ludgerikreisel läuft auch das Autofahren geschmeidig.


Hast du noch Kontakt zum Wilsberg-Team?


Ich habe zum Cast guten Kontakt. Etwa zu den Geburtstagen. Leider drehen sie nicht, wenn ich am 16. August in Münster auftrete. Mit Rita (Russek) und Leonard (Lansink) bin ich eng befreundet. Und auch mit Oliver Korittke. „Wilsberg“ war 20 Jahre ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. In der Serie bin ich ja groß und wirklich erwachsen geworden.


Schaust du mit Wehmut zurück?


Wehmut wäre das falsche Wort. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass wir über die Jahre so viel geschafft haben und die Serie und ihre Figuren so ausbauen konnten, ebenso wie die Zuschauerzahlen. Das
ist ein unheimlich schönes Gefühl.


Guckst du noch „Wilsberg“ im TV?


Wenn ich die Zeit habe, ich bin oft unterwegs.


Warum bist du eigentlich 2020 bei „Wilsberg“ ausgestiegen?


Oft fanden die Dreharbeiten zu „Wilsberg“ und „Der Zürich-Krimi“ zeitgleich statt. Von beiden Formaten haben wir mehrere Folgen im Jahr gedreht. Das hat eine unglaubliche Planung erfordert und ging zum Teil an meine Grenzen. Und ich wollte auch endlich wieder Musik machen und Drehbücher schreiben. Ich habe vor meinem „Wilsberg“-Ausstieg die meiste Zeit im Flieger oder im Zug verbracht. Da bin ich ein bisschen der Zeit hinterhergerannt.


Wie lief es für dich nach der letzten Klappe?


Das war ein bisschen wie von Zuhause ausziehen. Mutti und Vati haben mir alles beigebracht, was ich brauche für die Welt.


Hat das „Wilsberg“-Team deinen Ausstieg verstanden?


Kollegen wie Freunde haben mich gut verstanden. Keiner war eine Sekunde sauer. Ich hatte Sorge, dass einer verärgert sein könnte. War aber keiner. Ganz im Gegenteil. Alle haben mich umarmt und mir aus tiefstem Herzen das Beste gewünscht.

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Ich wollte Polizistin werden

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Wie sah der letzte Drehtag aus?


Das war im August 2020 mitten in der Corona-Pandemie. In der letzten Szene im Kommissariat fiel der Satz „Danke, Alex“ und dann die letzte Klappe für mich. Auf einem Parkplatz standen mehrere Caravans. Wir machten ein Teamfoto, wegen der Pandemie mit jeweils zehn Meter Abstand, und dann haben wir angestoßen. Eins ist klar: Wir werden uns alle wiedersehen und wieder umarmen.


Was ist das Wichtigste, das du neben den Freundschaften von „Wilsberg“ mitnimmst?


Das Wichtigste ist, dass ich viel von meinen Kollegen gelernt habe. Ich habe Respekt vor jeder Abteilung, die bei „Wilsberg“ mitgewirkt hat. Meine wunderbaren Kollegen haben mir das vorgelebt und auch der Zuschauer spürt, glaube ich, dieses ganz besondere „Wilsberg“-Klima.


Was mir auffällt, dass du neben „Wilsberg“ viele Rollen im Bereich Justiz und Polizei spielst.


Ja, Peter, das ist echt ungewöhnlich.


Oder liegt es daran, dass du schon als Kind Polizistin werden wolltest?


Ja, da ist was Wahres dran. Ich wollte Polizistin werden, weil meine Mutter so gerne Thriller und Krimis guckt und ich schon als Kind Polizeiautos spannend fand. Ich habe immer gerne die Serie „Ein Colt für alle Fälle“ gesehen und heimlich aus dem Türschlitz „XY ungelöst“, als meine Eltern im Wohnzimmer saßen. Später wurde ich zum Fan von „Polizeiruf“ und „Schimanski“. Bei einer Romanverfilmung musste ich mal eine LKA-Ermittlerin spielen. Da habe ich gelernt, wie man eine Pistole richtig hält. Hinnerk Schönemann war da ein guter Lehrer.


Die Musik liegt dir dagegen richtig im Blut. Wie fing das an?


Mit fünf hatte ich meine erste Ballettstunde. Meine Mutter fand das aber nicht so toll. Sie sagte immer, mit Tanzen und Singen kommst du nicht weit. Deshalb bin ich sonntags immer zu meiner Oma, die hat mich unterstützt. Das war der Anfang.


Und da packte dich der Ehrgeiz...


In der Schule habe ich bereits Lieder und Gedichte geschrieben, etwa über den Jungen von nebenan. Da war ich 13 oder 14.


Wow, aber warum hast du nach der 10. Klasse zunächst als Friseurin gearbeitet?


Meine Mutter, die Maskenbildnerin ist, wollte das so. Ich habe damals schon gedreht und hatte den Deal mit meiner Mutter, wenn ich hauptberuflich etwas Vernünftiges lerne, dann kann ich auch weiter-
drehen. Und mein Onkel hatte einen Friseursalon. Zu meinem Glück lief das mit dem Drehen aber schon ganz bald richtig gut.


Wie kamst du eigentlich zu „Wilsberg“?


Per Casting. Durch Zufall habe ich Leonard (Lansink) bereits ein Jahr vorher, auf dem Reiterhof kennengelernt, wo seine Pferde standen. Bei uns hat die Chemie sofort gestimmt. Und beim Casting sagte er zu mir: „Ich bin die Hauptrolle, was machst du denn hier?”


Wie viel Paule steckte in Alex? Wie viel Paule steckt in Paule der Musikerin?


Ich hatte viel Freiraum bei der Entwicklung der Rolle der „Alex“. Schön bunt. Das war ein Geschenk. Mein Vater meinte mal beim „Wilsberg“-Gucken: „Genau, da ist er wieder – dieser Paule-Blick!“ Haha. Und als Musikerin Paule – das bin zu 100 Prozent ich. Jede Zeile. Ich kann nur das schreiben, was ich auch erlebt oder miterlebt habe. Jedes Wort hat eine Bedeutung.

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Samuel L. Jackson quatschte mich auf einer Party an

Du warst schon mal in Hollywood?


Ja, im „The Frolic Room“ in Los Angeles. Das ist eine richtig geile Bar, die Lieblingsbar von Johnny Depp, und ich wollte da rein. Mit 18 war ich dort noch minderjährig, hatte aber den Ausweis meiner älteren Schwester dabei. Wir sehen uns zum Glück ähnlich. Ich habe den Daumen halb auf das Foto gelegt beim Zeigen. Und ich kam rein.


Wie war deine Begegnung mit Samuel L. Jackson?


Der quatschte mich auf so einer Party bei 24 Grad an einem Dezemberabend in den Hollywood Hills am Büffet an. Er sagte, er wäre Schauspieler und ich ganz kess: Cool, bin ich auch. Dann plauderten wir rund zwei Stunden – super nice, er gab mir acht Telefonnummern und erst Jahre später wurde mir bewusst: Krass, das war Samuel L. Jackson! Die Telefonnummern hatte ich damals weggeschmissen. So ein Mist! Und 1997/98 war ich mit Freunden in Berlin einen trinken, da habe ich Michelle Williams kennengelernt, sie war auch wirklich nett, aber auch sie habe ich nicht erkannt. Unfassbar, oder?!


Hast du eigentlich noch dein Tattoo auf dem Rücken?


Ja, das wurde bei „Wilsberg“ meistens weggeschminkt. Es zeigt einen Dolch, der ein Herz durchsticht mit einer Schleppe. Das soll symbolisieren: Ich kämpfe für die Liebe und halte sie fest, denn ich bin sehr romantisch, auch wenn man mir das auf den ersten Blick nicht ansieht.


Du bist ja viel unterwegs. Wer sitzt bei eurem Band-Sprinterbus eigentlich am Steuer?


Na ich. Die Jungs finden das gut, ich fahre sehr gerne und sicher. Auf jeden Fall haben sie sich noch nie beschwert.


Und wenn?


Dann hätten sie Gegenwind bekommen, haha. Sie vertrauen mir, sie schlafen im Auto oder machen was am PC.


Was hast du früher in deinen Drehpausen in Münster immer
gerne unternommen?


Ich mochte den Italiener in der Aegidiistraße. Oder ich war Tretbootfahren auf dem Aasee. Am liebsten war ich im Heaven. Das haben sie ja abgerissen, so schade. Das war so eine super Location.


Stimmt. Was machst du in der Freizeit?


Wir haben ein Boot namens „Suso“. Mit dem schippern wir in jeder freien und sonnigen Minute auf dem Wannsee rum. Das ist echte Erholung. Außerdem nehme ich Cello-Unterricht und mache gerade den Motorradführerschein.

Ina Paule Klink, geboren am 23. Dezember 1979 im brandenburgischen Zossen, wird seit ihrer Kindheit Paule genannt. Ihre Mutter war Maskenbildnerin, der Vater Pilot. Ausbildung in Gesang, Jazz und klassischem Tanz. Seit 1996 TV-Filme und Serien, seit 2009 Kinofilme (aktuell: „Servus Papa, See you in Hell“). Musikalben „Paule“ (2020) und „Wunderschön unperfekt“ (2021). Paule lebt in Berlin. Seit vier Jahren ist sie mit Regisseur Roland Suso Richter liiert. Karten für ihr Konzert am
16. August um 20 Uhr im Jovel-Club gibt es bei eventim.

https://www.inapauleklink.de

llustration Thorsten Kambach / Fotos Lula C. Jackson

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