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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Guido von den Donots und Stephan Günther im Sommerplausch

ICH HABE DAS SCHÖNSTE LEBEN DER WELT!

Der Sommer ist seine Zeit. Guido von den Donots liebt nicht nur das Wetter, sondern ganz besonders den Festival-Sound und das Touren. Von beidem gibt es im Sommer genug: Festivals, unterwegs mit den Broilers, auf Abschiedstour mit den Toten Hosen, und zu all dem noch der Grand-Münster-Slam mit den H-Blockx vor dem Münsteraner Schloss. Bevor der Sommer 2026 richtig Fahrt aufnimmt, konnten wir Guido noch für ein Interview erwischen. Wir sprachen mit Guido über Guido, Abschied, neue Musik und natürlich darüber, was im Sommer so alles ansteht.

Selten um einen Spruch verlegen, immer eine fantasievolle Anekdote parat. Wie fühlt es sich an, Guido Knollmann zu sein? Wie ist das?


Hmm, eigentlich fühlt sich das wahnsinnig normal an.


Für Dich ist es das ja wahrscheinlich auch …


Ja, klar, man schaut ja immer nur durch dieselben Augen. Man ist ja der, der man ist. Ich fühle mich jedenfalls extrem normal und aufgeräumt, irgendwie. Ich möchte aber nicht bestreiten, dass das bei Facebook und Co. vereinzelt anders wirken könnte. Im Teenageralter, als Dirk oft bei uns gepennt hat und mit Ingo feiern gegangen ist, war ich immer neidisch. Ich habe dann immer irgendeinen kompletten Blödsinn auf kleine Zettel geschrieben und denen unter die Kopfkissen gelegt. Ich mag halt diesen Humor, wobei, Humor ist das falsche Wort, „Sachen, die keinen Sinn ergeben“, klingt irgendwie treffender.


Naja, aber genau das ist ja auch eine Form des Humors.


Stimmt, das ist wohl richtig. Es ist dann wohl auch keine Überraschung, dass ich den Humor von Helge Schneider oder Christoph Schlingensief sehr mag.


Ich feiere das, Deine Beiträge auf Social Media, so erfrischend anders. Aber Ingo ist da ja ganz anders, viel klarer im Humor. Spielt der denn trotzdem in dieselbe Richtung?


Bei den Donots haben alle diese Art von Humor, bei dem einfach nichts wirklich Sinn ergibt und so. Klingt jetzt nach Klischee, aber bei Proben oder wenn wir uns treffen, dauert es keine 5 Minuten, bis irgendwer so einen Höllenkram erzählt und es einfach komplett entgleist. Ich habe da ein wenig das Problem: Wenn ich dann mal „Hallo, ich habe auch etwas Relevantes zum Thema beizutragen!“ sage, hören die gar nicht mehr auf mich. „Selbst schuld! Zu 99 % kommt ja auch nur Blödsinn von dir“, ist dann immer die Antwort. (Lacht)


Ist der Ruf erst ruiniert …


Jaaa, genau! Die glauben fest an eine „Inhaltslosigkeit“ meiner gesamten Wortbeiträge.


Ist dies auch das Geheimnis, warum Ihr seit über 30 Jahren so ein entspanntes Team seid?


Die Mischung macht’s, das ist, glaube ich, das Geheimnis. Der Quatschhumor, der uns die ganze Sache erleichtert, ist ein guter Grundstein. Dazu kommt aber auch noch, dass die Donots aus 5 Egos bestehen, die nicht so groß sind. Alle sind entspannt, jeder denkt einfach zuerst an die Sache und nicht an sich. Alle denken: „Ey, lasst uns eine gute Zeit haben, und danke, dass wir das schon so lange machen dürfen.“


Ihr strahlt aber auch einfach immer Authentizität aus. Eine von wenigen Bands, denen ich das auch komplett abnehme. Auch in Eurer Musik. Es wirkt immer echt und ehrlich.


Ein wunderschönes Kompliment, danke. Es gibt ja auch keinen wirklichen Plan dahinter. Selbst wenn, würde er nur lauten: „Solang’s juckt, machen wir’s, und zwar so, wie unser Bauch es uns sagt.“


Ja, genau das meine ich. Ihr seid so herrlich wenig erwartbar in vielerlei Hinsicht. Mal hört man längere Zeit wenig von Euch und dann, „Bämm“, gibt’s zig News auf einmal.


Genau, ja, aber eigentlich sind wir schon Arbeitstiere. Alex insbesondere, Wahnsinn. Neben der Musik macht der ja noch unser Management, dann mit uns auch noch das Label. Der ist schon 24 Stunden auf Draht, keine Ahnung, wie der das macht.


Oh, das sollte keine Unterstellung von Nichtstun sein!


(Lacht) Nein, nein, alles gut. Man könnte ja durchaus meinen, es ist teilweise so. Aber zumindest musikalisch und bei den damit zusammenhängenden Themen ist es halt zu 100 % Gefühlssache. Das Gefühl muss stimmen. Sagt man so, aber erzwungen ist am Ende auch Kacke, weißt Du?

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Die Mischung macht‘s

Klar, absolut richtig. Seid ihr denn musikalisch eigentlich schon wieder kreativ, auch wenn das letzte Akustik-Album gerade mal ein Dreivierteljahr alt ist?


Wir haben sogar schon 4 Stücke für die nächste Platte geschrieben und waren damit sogar bereits im Studio für Demoaufnahmen. Das ist jetzt auch schon länger her. Bis vor einem Dreivierteljahr lagen die Demos auch einfach nur herum. Dann haben wir sie uns noch einmal angehört.


Direkt produziert und im Juli kommt eine EP?


(Lacht) Einhellige Band-Meinung: Richtig scheiße, alle 4 Songs, weg damit.


Unerwarteter Twist, aber auch schöner Luxus: aufnehmen, lange liegen lassen, erneut anhören und wegwerfen, oder?


Luxus, genau. Zeit und Möglichkeiten. Wir haben ein eigenes Studio in Münster, was ja schon mal ein großer Luxus ist. Zum Musikmachen selbst benötigt man eigentlich nichts außer Zeit. So, und mit einem eigenen Studio kannst Du natürlich in einem ganz anderen Tempo Ideen umsetzen, probieren und feilen. Das ist ein großes Geschenk.


Aber live seid Ihr ja immer präsent, Ihr habt da schon eine recht stabile Fanbase, oder?


Ja, wir fragen uns selbst manchmal, was da los ist, dass da immer so viele Leute am Start sind. Wenn wir morgens um 8 Uhr an irgendeinem Laden ankommen, sitzen die schon da, egal bei welchem Wetter. Das schwankt immer zwischen, ich sage mal, 5 und 30 Leuten. Das ist eine richtige Community geworden. Die kennen sich untereinander, verabreden sich und sind einfach dann den ganzen Tag bis zum Konzert da.


Wahnsinn, dass die Leute sich nicht „sattsehen“ können an Euch.


Voll, wir fragen uns selbst manchmal, ob das nicht irgendwann langweilig wird, gerade bei denjenigen, die man wirklich bei jeder Show sieht. Du hast es ja selbst gesagt, Donots-Konzerte gibt es ja nicht gerade selten. Ich meine, uns selbst wird es nicht langweilig, weil wir den Kram ja machen. Deswegen ist das ein ganz anderer Kick, verrückt, aber geil.


Liegt es vielleicht auch daran, dass Ihr als Band immer ein wenig vermittelt, sehr nahbar zu sein? Ihr wirkt immer, als hättet ihr stets Zeit für ein kurzes Hallo, ein Lächeln und einen kurzen Plausch.


Ja, klar, aber warum auch nicht? Ich frage mich genau das Gegenteil: Was soll der andere Scheiß? Der eine ist Apotheker, der andere Dachdecker, andere machen Musik. Bei Regen wird jeder nass. Warum soll man sich jetzt darauf einen runterholen? Im Gegenteil, man sollte dankbar sein, dass man das machen darf. Ich habe das schönste Leben der Welt.


So geerdet sind nicht alle!


Es sollte aber für alle gelten. Ich meine, ich kann seit 1999/2000 von der Musik leben. Wir ernähren alle unsere Familien damit. Warum zum Teufel soll ich dann deswegen noch den Dicken markieren, wenn ich dieses Privileg doch habe? Das raffe ich einfach nicht.


Im August dann gibt’s dann die große Sympathie-Offensive in Münster. Grand Münster Slam mit den H-Blockx. Der heiße Shit in diesem Sommer?


Ja, also wir haben Bock. Wir brennen auf jeden Fall. Vor allem mit unseren langjährigen Freunden, Wegbegleitern und vor allem Wegbereitern.


Wie kommt’s, dass es erst jetzt die große gemeinsame Show gibt?


Wir waren ja durchaus schon mal zusammen auf Tour, das war Ende der 90er. Da haben wir uns quasi kennen und lieben gelernt. Überschneidungen gab und gibt’s da viele. Wir haben auch schon im selben Studio aufgenommen damals, in den Prinzipal-Studios. Die H-Blocks waren da schon „high and mighty“ und sind gerade mit Move und so weiter durch die Decke gegangen. Wir dachten: „Krass, gleich ins selbe Studio wie die H-Blockx!“ Auch wenn Crossover nicht so mein Ding war, war ich schon beeindruckt, dass eine Münsteraner Band so durch den Tisch tritt.


Eine schöne gemeinsame Geschichte habt ihr da?


Ja, ich habe für Hennings Solo-Kram Gitarre eingespielt. Das ist halt einfach eine alte Liebe. Henning und ich haben uns einfach gefunden, damals, als wir zusammen getourt sind.

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Wir haben den „Toten Hosen“ echt viel zu verdanken

Wann habt ihr denn gesagt: „Okay, lass mal vorm Schloss zusammen spielen“?


Das war ja so ein Hochtasten mit den Jahren. Eigentlich war Alex da immer die treibende Kraft. Erst schlug er vor: „Lass uns doch mal eine Show im Jovel spielen.“ Irgendwann kam er dann mit der Halle Münsterland um die Ecke. Schon beim Jovel konnten wir gar nicht fassen, dass wir das ausverkauft haben. Bei der Halle Münsterland haben wir ihn dann für verrückt erklärt, aber uns breitlabern lassen. Das war verrückt. Auf einmal stehen wir da, bei unserem Konzert, und gehen auf unsere Bühne, vor 3500 Menschen. Beim nächsten Mal dann ausverkauft. Irre!


Okay, dann ist der Grand Münster Slam ja schon fast eine logische Konsequenz.


(Lacht) Genau! Aber da sind halt mehrere Dinge zusammengekommen. Meine lange Freundschaft mit Henning: Alex hatte die H-Blockx in der Zwischenzeit überredet, deren nächstes Album auf unserem Label zu veröffentlichen. Irgendwann hat man sich mal zusammengesetzt und lange und herzlich ehrlich gesprochen.


Alex also wieder der Anschieber des Ganzen. Dabei wirkt er eher still und seriös, zurückhaltend …


… könnte man meinen, ja. Aber der ist auch streng irre, im Guten so! Auf jeden Fall kamen die Jungs zu unserem Label und haben ihr neues Album bei uns veröffentlicht. Und was liegt dann näher, als mit alten Freunden ein Konzert zu spielen?


Ihr spielt ja nicht nur den Grand Münster Slam, sondern auch etliche Festivals, seid mit den Broilers unterwegs und dürft sogar die Toten Hosen ein Stück auf ihrer Abschiedstour begleiten …


Ja, ich hab schon richtig Bock, ich liebe den Sommer eh!


… Was bedeuten oder bedeuteten die Toten Hosen für Euch? Wie fühlt sich das an, mit denen jetzt auf den letzten Metern noch einmal spielen zu können?


Ich habe darüber vor einigen Tagen noch gesprochen, wie merkwürdig ich es finde, dass es die Hosen nur zehn Jahre länger gibt als uns. Seit ich denken kann, seit ich auf die Welt gekommen bin, gab es die Hosen. Für mich immer eine große Band, und irgendwann hat man das Privileg, mit denen spielen zu dürfen. Vorbilder und Riesenband. Die sind so menschlich, so am Start, trotz ihrer Größe, das ist schon speziell.


Und jetzt das letzte Album.


Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig mit dem Abschied zu kämpfen habe. Die Hosen sind musikalisch für so viel schöne Zeit in meinem Leben verantwortlich. Kann mich noch erinnern, wie mein großer Bruder damals, da war ich 7 oder so, seine Schneider-Anlage mit miesem Sound, aber dafür ordentlicher Lautstärke anschmiss und die Hosen durch die Bude schallten. Und dann darfst du auf einmal mit denen spielen. Wir haben denen echt viel zu verdanken. Wie oft die uns mitgenommen haben, wie viele Leute wir durch die erreicht haben, unglaublich. Also, wenn wir mal wirklich den Laden schließen, ich glaube, ich müsste echt heulen.


Wie ist das denn für Euch, wenn man plötzlich so mit dem Abschied einer befreundeten großen Band konfrontiert wird? Denkt man da auch schon mal leise drüber nach, wann es selbst so weit ist?


Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie wir uns einmal auflösen. Das wäre für mich die Hölle. Ich stelle mir vor, du bist seit der frühen Jugend dein ganzes Leben in einer Band, und dann auf einmal: Ende! Finde den Gedanken schrecklich. Momentan habe ich eher das Gefühl, dass wir aufhören, weil einer von uns einfach irgendwann umkippt. Altersbedingt. Allein schon der Gedanke: „Das ist jetzt deine letzte Tour, die du spielen wirst, nach all den Jahren …“ Ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass ich das letzte Konzert nicht spielen könnte. Ich würde nur heulen, das würde mich kaputt machen.


Gut, dass Aufhören für Euch noch kein Thema ist und dieses Szenario noch lang hin ist. Guido, danke für die supernette Unterhaltung!

Guido wurde 1979 im beschaulichen Ibbenbüren geboren. Er wuchs dort auf und gründete 1994 mit seinem Bruder Ingo zusammen die „Donots“. Über 30 Jahre später macht er immer noch hauptberuflich erfolgreich Musik mit den Donots. Guido ist verheiratet und mittlerweile auch Vater.

lllustration Thorsten Kambach / Fotos Stephan Günther

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