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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Tom Feuerstacke und Götz Rohdewald über Neustart, Teamgeist und den Weg zurück nach oben

GEMEINSAM WIEDER HOCH

Der Abstieg ist verarbeitet, die Enttäuschung noch nicht ganz vergessen, doch der Blick geht längst wieder nach vorn. Bei den Uni Baskets beginnt nach einer schwierigen Saison ein neues Kapitel – mit frischer Energie, viel Teamgeist und dem Vertrauen in eine Mannschaft, in der auch junge Spieler früh Verantwortung übernehmen sollen. Gleichzeitig bleibt der Verein seinem besonderen Münsteraner Weg treu: Leistungssport soll weiterhin mit Studium oder Beruf vereinbar sein. Dazu kommt eine Sporthalle Berg Fidel, deren Fans gerade in schwierigen Zeiten gezeigt haben, wie viel Rückhalt von den Rängen kommen kann. Die Richtung ist klar: aus Fehlern lernen, als Mannschaft wachsen und gemeinsam wieder angreifen.

Götz, nach einem schwierigen Jahr und dem Abstieg soll bei den Uni Baskets ein neuer Weg eingeschlagen werden. Wie sieht dieser Weg aus?



Ob das wirklich ein neuer Weg ist, weiß ich gar nicht. Unsere Identität hat sich eigentlich nicht verändert. Wir haben bereits in der ProA mit vielen Spielern gearbeitet, die neben dem Basketball studieren oder arbeiten. Darin unterscheiden wir uns von vielen anderen Vereinen. Wir ermöglichen es Spielern, Leistungssport zu betreiben und gleichzeitig noch etwas anderes zu machen. Das war in der ProA so, das bleibt in der ProB so und wird vermutlich auch langfristig so bleiben. Ich glaube, dass das in Deutschland schon ein Alleinstellungsmerkmal ist. Der Kader sieht etwas anders aus, aber unsere grundsätzliche Idee hat sich nicht verändert.


Ihr seid also als Profimannschaft in einer Profiliga angetreten, obwohl nicht alle Spieler Vollprofis waren?



Genau. Bei den meisten anderen Mannschaften sind wahrscheinlich 80 oder 90 Prozent der Spieler Vollprofis und konzentrieren sich ausschließlich auf den Sport. Häufig verlangen die Vereine das auch. Bei uns steht eine andere Idee dahinter.


Warum hat sich Münster für diesen Weg entschieden?



Eigentlich war das schon immer so. Als ich mit 16 Jahren beim UBC angefangen und in der Herrenmannschaft gespielt habe, waren viele Spieler Studenten. Münster ist eine riesige Universitätsstadt. Es kamen schon damals viele Leute hierher, um zu studieren, und sie wollten gleichzeitig Basketball spielen. Deshalb passt dieses Modell auch zur Stadt. Natürlich könnten wir sagen, dass jeder Spieler Vollprofi sein muss. Aber unser Weg kann auch ein Vorteil sein. Wir hatten nicht immer das größte Budget, konnten aber trotzdem hervorragende Spieler nach Münster holen, weil sie hier Leistungssport und ihre berufliche oder akademische Entwicklung miteinander verbinden konnten.


Dieser Weg dürfte aber auch Nachteile mit sich bringen. Wo könnt ihr mit anderen Vereinen nicht mithalten?



In der ProB ist es etwas anders, weil die Liga insgesamt nicht so professionell aufgestellt ist wie die ProA. Trotzdem können wir beispielsweise nicht zweimal am Tag trainieren, weil wir die Leute dann nicht alle in die Halle bekommen würden. Beim Trainingsumfang gibt es also Grenzen. Andere Vereine verfügen teilweise über eine eigene Trainingshalle. Dort können die Spieler jederzeit trainieren und die Trainingszeiten sehr flexibel gestaltet werden. Das können wir nicht. Wir haben feste Hallenzeiten, die sich nicht beliebig verändern lassen.


Du hast selbst schon als Jugendlicher in Münster gespielt. Wie bist du damals zum Basketballspielen gekommen?



Werner Bergmann hat uns zum Basketball gebracht. Er war am Schillergymnasium und hat dort eigentlich alles angestoßen, was mit Basketball zu tun hatte. Auch mein Bruder hat Basketball gespielt. Ich bin Werner bis heute sehr dankbar. Leider lebt er nicht mehr, aber es war ein großes Glück, dass er damals da war.


Deine erste Saison als Trainer in Münster verlief ausgesprochen erfolgreich. Danach folgte eine ordentliche Spielzeit und schließlich der Abstieg. Was ist schiefgelaufen?



Die zweite Saison war für unsere Verhältnisse ebenfalls gut. Wir waren Zehnter und hatten die Chance, die Play-offs zu erreichen. Am Ende haben wir es nicht geschafft. In der vergangenen Saison haben wir bei der Zusammenstellung der Mannschaft einige Fehler gemacht. Das ist relativ offensichtlich. Dazu kamen Verletzungen und Langzeitausfälle. Es sind verschiedene Dinge zusammengekommen.


Wie schnell konntest du den Abstieg persönlich abschütteln?



Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wurmt es mich sofort wieder. Während der Saison und auch danach setzt man sich sehr intensiv damit auseinander. Man versucht herauszufinden, was vorgefallen ist, woher die Probleme kamen und was man hätte anders machen können. Du musst die Saison analysieren, dich selbst hinterfragen und deine Lehren daraus ziehen. Das habe ich so gut versucht, wie ich es konnte. Irgendwann musst du aber auch einen Haken dahintersetzen und sagen, dass es jetzt wieder nach vorn geht. Wir wollen mit frischer Energie in die neue Saison starten. Es bringt niemandem etwas, ständig zurückzublicken und darüber nachzudenken, wie schlecht alles gewesen ist. Das habe ich oft und lange genug getan.


Was möchtest du in der neuen Saison verändern?



Wir müssen in erster Linie eine gute Mannschaft sein. Damit meine ich zunächst nicht die sportliche Qualität, sondern dass wir menschlich gut zusammenpassen. Wenn das nicht funktioniert, sieht man es auf dem Spielfeld. Wenn sich die Spieler mögen, verstehen und gegenseitig unterstützen, erkennt man das ebenfalls. Das Wichtigste ist, dass wir uns als Mannschaft präsentieren und als Mannschaft auftreten. Natürlich werden wir auch taktisch einige Dinge verändern. Unsere komplette Spielidee wird aber nicht auf den Kopf gestellt. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem täglichen Miteinander im Training und im Spiel.


Wie funktioniert Teambuilding im Basketball? Unterscheidet sich das stark von anderen Sportarten?



Ich glaube nicht. Die Mechanismen sind im Mannschaftssport ähnlich. Du versuchst, aus unterschiedlichen Charakteren eine funktionierende Gruppe zu formen. Wir treffen uns beispielsweise außerhalb der Halle, grillen gemeinsam, reden miteinander und verbringen Zeit zusammen. Damit eine Mannschaft funktioniert, muss jeder verstehen, welche Rolle er hat und wie alles zusammenhängt. Man muss miteinander trainieren, einander unterstützen und auch in schwierigen Situationen eine gute Atmosphäre bewahren. Wenn das gelingt, hat man eine hervorragende Grundlage für alles Weitere.


Basketball ist ein körperlich harter Sport. Musst du auch darauf achten, dass sich die Spieler nicht gegenseitig an die Gurgel gehen?



Normalerweise nicht. Natürlich gibt es Situationen, in denen jemand einen Ellbogen abbekommt, manchmal auch ohne Absicht. Solche Dinge können sich hochschaukeln. Das passiert aber eher selten.

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Werner Bergmann hat uns zum Basketball gebracht

Wer sammelt im Laufe einer Saison eigentlich mehr technische Fouls: die Trainer oder die Spieler?



In der vergangenen Saison waren es bei uns eher die Spieler. Ich versuche aber selbst, bei diesem Thema besser zu werden. So viele technische Fouls habe ich gar nicht bekommen. Letztlich hilft es niemandem, wenn man sich aufregt und den Schiedsrichter angeht. Er versucht, seinen Job so gut wie möglich zu machen, und das ist nicht einfach. Ich versuche, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Alles andere hilft weder dem Schiedsrichter noch mir oder meiner Mannschaft. Auch wenn das in der jeweiligen Situation nicht immer einfach ist, weiß ich, dass es der bessere Weg ist.


Du hast als Spieler unter anderem in Bonn und Quakenbrück gespielt. Wie ordnest du die Atmosphäre in der Sporthalle Berg Fidel ein?



Natürlich liegt vieles an der Halle. Ich habe dort schon gespielt, als ich 16 Jahre alt war. So viel hat sich seitdem gar nicht verändert. Für die Größe der Halle und für unsere Liga ist die Atmosphäre schon außergewöhnlich. Wenn die Halle voll ist und wir ein gutes Spiel liefern, macht es richtig Spaß, dort zu spielen. Das ist wirklich eine tolle Atmosphäre.


Kann die Halle tatsächlich die berühmten zusätzlichen Prozentpunkte bringen?



Hundertprozentig. Die Halle hat unsere Mannschaft zu Hause schon einige Male getragen. Wenn du müde bist und merkst, dass alle Zuschauer stehen, dich anfeuern und unglaublich laut sind, bekommst du noch einmal einen Adrenalinschub. Wir haben ein tolles Publikum. Dabei geht es nicht nur um Lautstärke und Stimmung. Unsere Fans geben der Mannschaft positive Energie. Gleichzeitig haben wir nicht nur ein gutes, sondern auch ein faires Publikum. Darauf bin ich stolz.


Du kennst auch die Atmosphäre in der Belgrader Arena. Kann man das miteinander vergleichen?



Nein, das kann man nicht vergleichen. Ich war beim Final Four in Belgrad. Das ist bombastisch. Für mich ist das vielleicht die beeindruckendste Halle der Welt. Die Fans haben ihre eigenen Gesänge und eine vollkommen andere Art, eine solche Halle in Stimmung zu versetzen.


Hast du neben dem Basketball eigentlich noch etwas anderes gemacht?



Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert, als Trainer angefangen und zunächst nebenher gearbeitet. Damals war das noch in der Zweiten Regionalliga und später in der Regionalliga. Irgendwann musste ich feststellen, dass sich das nicht dauerhaft miteinander verbinden lässt. Mit einer Familie ist ein Leben als Trainer ebenfalls nicht immer leicht. Das war auch ein Grund dafür, weshalb ich damals aufgehört habe und in ein normales Berufsleben gegangen bin. Meine Leidenschaft für den Basketball hat aber nie aufgehört.

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Solche Dinge können sich hochschaukeln

Warum bist du schließlich wieder als Trainer eingestiegen?



Ich wusste schon auf dem Freiplatz, dass Basketball mir nie langweilig werden würde. Ich kann mich ständig damit beschäftigen und habe immer Lust darauf. Helge Stuckenholz hat mich irgendwann gefragt, ob ich es machen möchte. Es war sicherlich ein wenig verrückt, und viele andere hätten es vielleicht nicht getan. Ich wäre von allein wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, wieder Coach zu werden. Aber ich kenne Helge schon sehr lange. Meine Eltern wohnen hier, Münster ist eine schöne Stadt und ich fühle mich hier wohl. Das Gesamtpaket hat einfach gepasst.


Wenn wir uns zur Halbzeit oder am Ende der Saison erneut unterhalten, worüber werden wir dann sprechen?



Schwer zu sagen. Es wird wie in jedem Jahr nicht alles funktionieren. Es wird Probleme geben, und die Liga wird sehr schwer. Die Mannschaften, die von oben kommen, sind für alle anderen ein besonderes Ziel. Jeder möchte uns schlagen. Deshalb wird jedes Spiel schwer. Ich hoffe trotzdem, dass wir eine gute und erfolgreiche Saison spielen. Wir haben die Absicht, uns nach dem letzten schweren Jahr zurückzukämpfen und uns teilweise etwas zurückzuholen. Die Spieler, die Verantwortlichen und vor allem auch unsere Fans haben sehr gelitten.


Du setzt dabei auch auf sehr junge Spieler. Ist das nicht ein großes Risiko?



Junge Spieler müssen Lust haben, zu trainieren, und dürfen keine Angst vor der Situation haben. Dann können sie zeigen, was in ihnen steckt. Natürlich gibt es gerade im ersten Jahr im Herrenbereich Höhen und Tiefen. Die Spieler werden Fehler machen, und das ist in Ordnung. Wichtig ist, dass sie daraus lernen und sich Schritt für Schritt entwickeln. Dabei benötigen sie erfahrene Spieler, die sie unterstützen. Ich finde es schade, wenn junge Spieler nur dabei sind, aber keine echte Chance bekommen. Es gibt viele talentierte Spieler. Wenn man die Richtigen findet, die bereit sind, sich anzustrengen und Arbeit zu investieren, gibt es kaum etwas, das einem als Trainer mehr zurückgibt.


Kann der Abstieg am Ende vielleicht sogar etwas Gutes bewirken?



Man kann und muss aus solchen Erfahrungen lernen. Wenn man das tut, kann man besser daraus hervorgehen, als man vorher war. Vielleicht hatte der Abstieg auf diese Weise auch etwas Gutes. Und vielleicht kommen wir, wenn wir irgendwann wieder aufsteigen, stärker zurück. Das ist zumindest die Idee.

Götz Rohdewald

Jahrgang 1975, spielte bereits als Jugendlicher beim UBC Münster und war später unter anderem in Bonn und Quakenbrück aktiv. Seit 2023 steht der ehemalige Basketballprofi als Cheftrainer an der Seitenlinie der Uni Baskets Münster.

lllustration Thorsten Kambach / Fotos Christina Pohler

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