
Arndt Zinkant fragt Frederike Stuft-Daldrup nach der Faszination des Pferdesports
VOM SATTEL INS LEBEN
Frederike Stuft-Daldrup entdeckte früh ihre Passion für Pferde und Reitsport. Heute leitet die studierte Betriebswirtin die Reitschule „Hippo-Fun“, die am 12. Juli ihr 25. Jubiläum feiert. Im Interview erzählt sie, warum Reiten eine Schule für den Charakter ist und wie sie sich bei den Rotariern in Münster engagiert. Und auch über die „schwarzen Schafe“ ihrer Branche findet die Pferde-Fachfrau deutliche Worte.
Frau Stuft-Daldrup, Sie stammen aus einer echten Reitsportfamilie. War es vorgezeichnet, diesen Weg zu gehen, oder mussten Sie erst Feuer fangen?
Fest stand das nicht. Natürlich bin ich von Kindesbeinen an geritten, habe das später auch beruflich gemacht – allerdings daneben BWL studiert für den Fall, dass ich doch einen anderen Weg einschlagen möchte. Und das stand mir immer frei; aber für mich war dennoch ziemlich früh klar, dass ich es weitermachen möchte.
Dann war das BWL-Studium nur eine alternative Option?
Ja, genau. Es ist natürlich für den eigenen Betrieb auch super. Also ich habe erst eine Ausbildung zur Pferdewirtin, Fachrichtung Klassische Reitausbildung, gemacht. Diese Ausbildung sowie die dazugehörige Meisterprüfung habe ich mit Auszeichnung bestanden und danach noch BWL studiert. Man kann ja nie wissen, ob man es irgendwann nicht mehr machen kann – zum Beispiel wegen eines Unfalls. Also wollte ich mir eine Alternative offenhalten. Aber natürlich bin ich von den Pferden doch nie losgekommen.
In welchem Alter sind Sie denn erstmals aufs Pferd gestiegen?
Bevor ich laufen konnte.
Nein!
Doch, doch, definitiv. Wenn Valentina also sicher aufrecht sitzen kann, dann brauchen wir auch keinen Kinderwagen mehr, dann gibt es ein Pony.
(Baby Valentina, acht Monate alt, verfolgt das Interview mit großen blauen Augen, den Schnuller im Mund)
Am 12. Juli veranstaltet Ihre Reitschule nun ein Jubiläums-Sommerfest.
Ja, denn die Reitschule hat in diesem Jahr 25. Jubiläum – das wollen wir mit einem großen Sommerfest feiern. Und besonders freut uns, dass wir Kinder ans Pferd heranführen, die aus Familien stammen, welche allgemein gar nichts mit Tieren zu tun haben; die aus einem völlig reiterfremden Umfeld kommen und deshalb auch mal diese Erfahrung machen möchten.
Vermutlich wird auch der Spaß nicht zu kurz kommen – "Hippo-Fun", wie der Name schon sagt. Bei den diversen Veranstaltungen kann man selber reiten oder auch nur zugucken, oder?
Ja, genau. Wir haben ganz verschiedene Veranstaltungen übers Jahr – solche für Kinder in ihrer Freizeit, in den Sommerferien oder generell in allen Ferien in NRW. Tagesbetreuung inklusive, von 10 bis 16 Uhr. Auf Wunsch gibt es auch Frühstücksbetreuung, wenn die Eltern schon arbeiten müssen. Wir veranstalten auch Kindergeburtstage. Ansonsten haben wir aber auch für Turniersportler fünfmal im Jahr größere Lehrgänge für besondere Sportabzeichen – kurz: alles, was man eben mit dem Pferd so machen kann.
Wenn Sie jetzt von Eltern gefragt werden: "Soll mein Kind in die Reitschule?", was muss dieses Kind da mitbringen?
Einen Helm und viel Spaß. Sonst erst mal nichts.
Also erst mal ausprobieren, okay. Ist das teuer oder mit anderen Sportvereinen vergleichbar?
Reiten ist natürlich ein bisschen teurer, würde ich sagen, aber es ist noch erschwinglich – und das ist auch unser Ziel. Wir haben für die Kinder kurze Vierer-Abos, also Vierer-Karten, damit der Zeitrahmen überschaubar bleibt. Man legt sich nicht allzu lange fest, weil man bei kleinen Kindern ja nie weiß, ob sie morgen auch noch Spaß an dem Sport haben. Daher sind diese Vierer-Karten eine gute Lösung.
Irgendwo habe ich das Zitat gelesen: „Reiten gilt als Schule für den Charakter.“ Welche Werte versuchen Sie dem Nachwuchs in dem „Youngster-Club“, den Sie leiten, mitzugeben?
Es geht darum, dass man nicht nur den Reitsport erlernt und das Pferd als Sportpartner sieht, sondern auch das ganze Drumherum: die Ausdauer, die Disziplin, das Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme auf Lebewesen. Also, wenn das Lieblingspferd mal nicht so fit ist, dass man sich dann darum kümmert und auch mal ein anderes reitet. Das alles gehört absolut dazu, und nirgendwo wird das so geschult wie im Reitsport. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man das den Kindern durch ein so schönes Hobby beibringen kann.
Da wir schon bei Werten sind: Sie sind auch beim Rotary Club Münster 1648 aktiv. Welches Projekt liegt Ihnen da persönlich am Herzen und warum?
Mir liegt sehr am Herzen, dass wir uns für die Ukraine einsetzen. Das haben wir auch mit anderen Rotary Clubs gemeinsam getan – zum Beispiel wurden einmal Geschenke gekauft für die ukrainischen Kinder, die ganz zu Beginn des Kriegs hier in Münster waren. Daran hat sich damals auch unser Youngster-Club beteiligt und dafür die Club-Kasse geplündert. Der Youngster-Club finanziert sich nämlich selbst, aus Taschengeld und Waffelverkäufen und dergleichen. Also haben wir dann Geschenke gekauft, diese gemeinsam mit dem Rotary Club eingepackt und dann übergeben. Es ist einfach toll, wenn man so ganz direkt und persönlich mal etwas Gutes bewirken kann.

Mir liegt sehr am Herzen, dass wir uns für die Ukraine einsetzen
Gibt es Schnittmengen zwischen der Welt des Pferdesports und dem humanitären Ansatz der Rotarier, die man vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennt?
Ja, die Gemeinschaft. Obwohl Reiten ja kein Teamsport ist, so ist doch das Pferd eine Art Partner. Und mit Stallkollegen und Freunden leistet man eben doch vieles gemeinsam. Ich sehe da durchaus so eine Schnittmenge, die man zumindest bei uns im Youngster-Club zu vermitteln versucht: In der Gemeinschaft bringt man einfach mehr zustande als alleine!
Gibt es Ziele, sportlich, unternehmerisch oder persönlich, die Sie unbedingt noch erreichen wollen?
Oh ja, Ziele gibt es – in näherer Zukunft möchte ich natürlich noch mehr Kinder mit diesem Sport vertraut machen und auch dahingehend unterstützen, dass sie einmal bei einem Turnier antreten können. Das machen jetzt schon einige bei uns, die wir dann begleiten, sei es mit deren eigenen Pferden oder mit unseren. Diese Turnier-Wettkämpfe schulen ebenfalls sehr – fürs Leben, für die Schule, für Studium und Beruf. Es geht darum, dann einfach mit der Wettbewerbssituation zurechtzukommen, statt immer zu Hause in Watte gepackt zu sein. Dann geht es eben mal um alles. Und man macht die Erfahrung, dass das Leben trotzdem weitergeht, auch wenn man mal nicht vorne ist.
Da sprechen Sie das Thema Scheitern an. Gab es auch für Sie Momente des Zweifels und des Scheiterns – Turniere oder Pferde, mit denen Sie nicht zurechtkamen?
Das gab es auch, klar. Ich hatte mal ein ganz tolles Pferd, das eigentlich ein Springpferd war, das ich aber dressurreiten wollte (ich reite nämlich Dressur und Springen). Mit diesem Pferd namens Pluto bin ich tatsächlich auch gesprungen, aber ich hatte zu dieser Zeit leider kein richtig gutes Dressurpferd – also musste ich quasi auf Pluto ausweichen. Aber der erwies sich als sehr speziell. Und dann hat er mich – ich glaube, es war bei den Westfälischen Meisterschaften – so richtig bis aufs Blut blamiert.
Wie das?
Er hat im Dressurfeld, statt seine Aufgabe zu erfüllen, irgendwelche Faxen gemacht und ist nur durch die Gegend gesprungen. Seine Nerven lagen komplett blank! Und dann gab es da noch zwei Damen, die mussten mit einem kleinen Gatter das Viereck öffnen und schließen – und die haben gar nicht mitbekommen, dass ich leider aufhören wollte, weil gar nichts mehr ging. Denn um Bescheid zu sagen, dass man aufhören möchte, muss man die Zügel in eine Hand nehmen und die andere Hand hochheben. Das ging aber nicht, denn ich musste Pluto ja so festhalten! Kurz gesagt: Jedes Turnier danach war besser als dieses.

Oh ja, Ziele gibt es
Wie blicken Sie als Expertin auf die Zukunft des Reitsports in Deutschland? Welche Trends und Herausforderungen gibt es?
Im Moment hat es der Reitsport sehr schwer. Es gibt viele Kritiker und leider auch viele sogenannte „Profis“, die sich gar nicht gut benehmen. Die den Reitsport ganz schlecht dastehen lassen, weil sie einfach miserabel mit den Pferden umgehen – und das ist für uns natürlich eine Katastrophe. Ich würde mir wünschen, dass von der FN, unserem Dachverband in Deutschland, mehr Leute auch mal in die Betriebe fahren, Betriebe wie unseren, und schauen, wie gut dort ausgebildet wird. Damit der Reitsport wieder einen besseren Ruf bekommt, denn es gibt viel mehr, die im Reitsport ganz Tolles leisten und auch mit den Pferden exzellent arbeiten. Eben nicht nur jene, die auch Mist machen …
Schwarze Schafe, die die anderen in Misskredit bringen.
Genau. Mit denen werden wir dann gelegentlich in einen Topf geworfen, und das ist schade. Das versuche ich auch immer unseren Schülern beizubringen, die eben nun mal nicht aus dem Pferdesport kommen: Was ist in Ordnung? Was kann ein Pferd leisten und was darf es definitiv nicht mehr leisten müssen?
Eine Schlussfrage stelle ich fast immer: Gab es für Sie einen Plan B – und wenn ja, welchen?
Nein – absolut nicht.
Danke für das Gespräch!
Frederike Stuft-Daldrup ist Pferdewirtschaftsmeisterin. Sie hat eine klassische Reitausbildung mit Stensbeck-Auszeichnung absolviert. Außerdem hat sie das Goldene Reitabzeichen im Dressur- und Springreiten erlangt. Die studierte Betriebswirtin engagiert sich im Rotary Club Münster 1648 und leitet die Reitschule Hippo-Fun.
lllustration Thorsten Kambach / Fotos Thoms Lehmann und Frederike Stuft-Daldrup


