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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Arndt Zinkant im Gespräch mit Frank Jansing, dem Direktor der Tibus-Residenz

KREUZFAHRTSCHIFF AN LAND

Wer seinen Lebensabend am Tibusplatz verbringt, hat gleichsam das große Los gezogen. Die zentrale Lage ermöglicht es, zügig zum Prinzipalmarkt zu gelangen, und das Stadttheater ist sogar gleich nebenan. „Wohnen mit Service“ lautet das Angebot der DKV-Residenz seit 1993. Neu ist hingegen das Konzept „Hotel Plus“. Was es damit auf sich hat, erklärt Residenz-Direktor Frank Jansing im Interview.

Ist das Konzept von „Hotel Plus“ im Münsterland einmalig?


Ja, und meines Wissens nicht nur im Münsterland. Ein Hotel mit Kulturangebot mitten in der Stadt, in dem man Urlaub machen kann und – soweit erforderlich – bestens gepflegt wird: Das gibt es so in ganz Deutschland vermutlich nicht noch einmal.


Wie ist die Idee entstanden?


Als Mitglied der „Starken Pflege“, einem Verband der Pflegeanbieter in Münster, haben wir gesehen: Immer mehr Menschen suchen eine gute Pflege auf kurze Zeit, aber es gibt nicht genügend Angebote. Wir wollten hier weitere Möglichkeiten finden, um dem allgemeinen Pflegebedarf gerecht zu werden. So entstand die Idee des „Hotel Plus“: Unsere Wohnungen bieten Hotelkomfort, unser Partner „miCura Pflegedienst“ Münster übernimmt auf Wunsch die ambulante Pflege. Diese Idee stieß sehr schnell bei allen auf Begeisterung.


Ich könnte mir vorstellen, dass da einige gesetzliche Hürden zu nehmen waren.


Für die DKV-Residenz am Tibusplatz nicht! Denn wir sind keine reine Pflegeeinrichtung, sondern – wie der Name schon sagt – eine Residenz mit gehobenem Wohnkomfort im Herzen von Münster. Wer bei uns wohnt, führt seinen eigenen Haushalt und nutzt bei Bedarf die angebotenen Services. Wir nennen es liebevoll „Kreuzfahrtschiff an Land“. Entsprechend war die Umsetzung des „Hotel Plus“ ohne gesetzliche Hürden recht unkompliziert möglich. 


Im lokalen Fernsehbericht war ein 86-jähriger Herr als Gast von „Hotel Plus“ zu sehen, dessen Familie gerne in Urlaub fahren wollte. Ist dies quasi das Paradebeispiel?


Das ist ein schönes Beispiel – aber längst nicht das einzige. Manche Gäste bleiben nur kurz, viele sind auch „Wiederholungsgäste“. In der Regel gilt bei uns ein Mindestaufenthalt von vier Tagen, bei Gästen, die regelmäßig zu uns kommen, ist auch ein Aufenthalt von zwei oder drei Nächten möglich. Hier unterscheiden wir uns von regulären Pflegeeinrichtungen, die in der Regel solche Kurzaufenthalte nicht anbieten können. Aber auch für Gäste, die zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen sind, eignet sich unsere Residenz hervorragend. So hatten wir einen jungen Mann im Rollstuhl zu Gast, der einfach ein paar Tage Urlaub machen wollte und es genossen hat, von der Residenz problemlos in wenigen Minuten den Prinzipalmarkt zu erreichen.


Die Größe ist ja hier beträchtlich: sieben Häuser und 300 Bewohner. Wie viele Leute kann man so persönlich kennen?


Die Kollegen an der Rezeption und im Service kennen wirklich alle beim Namen. Das fasziniert mich immer wieder! Als Residenzdirektor lerne ich die Bewohner bei Veranstaltungen und den Geburtstagsfrühstücken persönlich kennen und erfahre, welche spannenden Geschichten hinter unseren Bewohnern stecken. Grundsätzlich ist natürlich allen Mitarbeitenden im Haus der persönliche Kontakt mit den Bewohnern sehr wichtig. Das zeichnet uns aus. 


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Die Kollegen an der Rezeption kennen alle beim Namen.

Und die Bewohner untereinander?


Es gibt viele Möglichkeiten, neue Kontakte zu schließen, beispielsweise über unsere Veranstaltungen. So entstehen mit den Jahren auch immer wieder Freundschaften unter den Bewohnern. Auch unser gemeinsames Mittagessen ist täglich ein Ort, an dem jeder sich mit seinen Tischnachbarn austauschen kann. Aber wir bieten auch gezielte Veranstaltungen zum Kennenlernen an, zum Beispiel hatten wir neulich wieder ein Speed Dating. Nicht, um einen Partner zu finden, sondern um Interessen zu teilen. Der sprichwörtliche sture Münsteraner, der bekannterweise nicht gerne auf andere zugeht, braucht schon manchmal ein bisschen Unterstützung (lacht). Und unser Speed Dating ist hier genau das Richtige. 


Wohnen bekannte Persönlichkeiten oder gar Promis hier?


Ich würde lügen, wenn ich Nein sage, aber mehr darf ich nicht verraten (lacht). Diskretion gehört dazu. 


Ich habe gelesen, es gibt bei Ihnen bis zu 40 Freizeitangebote pro Woche. Wer soll denn das alles wahrnehmen?!


Ja, das stimmt. Auch bei uns kann es zu dem berüchtigten „Freizeitstress“ kommen. „Ich komme ja zu nichts mehr!“, sagen einige scherzend. Aber das ist doch nur positiv zu sehen. Alle Angebote sind eine Option. Die Auswahl ist groß und jeder nimmt mit, was ihm guttut.


Was mich schon vor Jahren beeindruckte, waren die Klassik-Konzerte, insbesondere die Klavierabende: Hochkarätig besetzt. Wie haben Sie die Interpreten akquiriert?


Über Jahre haben wir Kontakte gepflegt, insbesondere zur Musikhochschule. Unsere Bewohner und Hotelgäste sind natürlich auch ein begeistertes Publikum, das muss man schon sagen. Das merken natürlich auch die Musiker, die immer gerne bei uns auftreten.


Leider ist die Teppich-Akustik nicht optimal. Wurde da mittlerweile nachgebessert?


Der Saal ist ein Multifunktionsraum. Für Vorträge, Filme und auch für Konzerte ist die Akustik gut, zudem haben wir seit kurzem eine neue Soundanlage. Sicherlich könnte noch weiter nachgebessert werden – im Moment haben aber erst einmal andere Projekte Priorität. 


Gibt es eine Interessentenliste?


Die Residenz ist in Münster und dem Münster-Umland bekannt und sehr beliebt. Beim Residenzwohnen haben wir Wartezeiten von etwa drei bis vier Jahren. Für die großen Wohnungen sogar bis zu sieben Jahren.Das „Hotel Plus“ – als kleine Schwester des Residenzwohnens – steckt vergleichsweise da noch in den Kinderschuhen. Demnächst werden wir aber auch über Buchungsportale sichtbar sein. Ich bin mir sicher, dass wir damit immer mehr Gäste von unserem „Hotel-Plus“-Angebot begeistern können, denn wie schon gesagt, ist das Angebot in dieser Form einmalig. 


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Beim Residenzwohnen haben wir Wartezeiten von drei bis vier Jahren.

Die Zukunft der Pflege steht ja finanziell auf wackeligen Beinen. Sehen Sie da in Zukunft Probleme?


Die Verhandlungen mit den Pflegekassen dauern oft zu lange, das setzt die Häuser unter Druck. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile der Pflegebedürftigen immer weiter, viele Menschen können sich das in Zukunft kaum noch leisten. Das zentrale Problem ist allerdings der Fachkräftemangel – auch wenn wir bei uns personell gut dastehen. Das liegt vor allem an dem Vorteil, einen überdurchschnittlichen Personalschlüssel in unserem Pflegebereich haben zu können, das schafft natürlich tolle Arbeitsbedingungen.


Ihre Lage ist ja wirklich extrem gut, zum Beispiel ist das Theater nebenan. Wird das von den Bewohnern stark frequentiert?


Wenn ich ins Theater gehe, treffe ich häufig eine Bewohnerin oder einen Bewohner aus der Residenz. Manchmal gehen auch Bewohner zusammen ins Theater. Es ist schon ein großes Privileg, wenn der Weg vom Theater bis nachhause nur wenige Fußschritte entfernt liegt. Wie Sie sagen, die Lage unserer Residenz ist extrem gut. Und trotz der zentralen Lage ist unser Innenhof idyllisch ruhig. Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage: In Münster kann man nicht schöner wohnen. 


Ein alter Freund meiner Eltern lebt in einer ähnlichen Einrichtung in Süddeutschland, und dieser erzählte, dass die Bewohner miteinander Fußballwetten veranstalten. Gibt es hier etwas Ähnliches?


Doppelkopf und Rommé sind bei uns sehr beliebt. Und unser Fitnessraum übrigens auch. An den Geräten zieht so mancher Praktikant den Hut vor einem 96-Jährigen! In unserer Residenz ist für jeden was dabei, und viele fühlen sich sehr schnell hier zuhause. Immer wieder höre ich von den Bewohnern: „Wäre ich mal eher gekommen.“ Bei uns gibt es Gemeinschaft und keiner wird allein zurückgelassen. Und wir sind da, wenn Unterstützung oder Pflege gebraucht wird – 24 Stunden täglich. Das bedeutet Sicherheit, auch für die Angehörigen, und beruhigt ungemein. Häufig braucht es nicht so lange, dass neue Bewohner sich zuhause fühlen und schon nach kurzer Zeit regelrecht „aufblühen“. Das zu erleben, ist immer wieder das Schönste an meiner Arbeit. 


Frank Jansing

Frank Jansing ist Direktor der Seniorenresidenz am Tibusplatz – seit Jahrzehnten eine begehrte Wohnanlage für alte Menschen, die in Selbstständigkeit leben wollen, aber auch Service und Pflege in Anspruch nehmen können. Das neue Konzept „Hotel Plus“ bietet genau das nun auch für kürzere Zeit. Die Anlage umfasst sieben Häuser und beherbergt 300 Bewohner. Das Freizeitangebot präsentiert sich sehr umfangreich. Kein Wunder, dass die Wartezeiten für Interessenten beträchtlich sind.

Illustration Thorsten Kambach / Fotos Arndt Zinkant

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