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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Chiara Kucharski spricht mit Ernest Sartison

VON MÜNSTER NACH MARSEILLE: EIN WEG IN DIE FREMDENLEGION

Sie gilt als härteste Militäreinheit der Welt. Für die einen ist es eine große Ehre, in die Fremdenlegion aufgenommen zu werden und die Képi Blanc zu tragen, denn die Aufnahmeprüfung soll hart sein und es heißt, nur jeder zehnte Bewerber würde es schaffen, durchzuhalten. Für andere hat sie einen verrufenen Charakter. Lange Zeit galt die Legion als Anlaufstelle für verlorene Existenzen, Kriminelle und Menschen, die bei Null anfangen wollen, denn es wurde nicht geprüft, wer sich dort meldete. Ernest Sartison, der von Münster aus in das Militärlager nach Frankreich gegangen ist, möchte im Gespräch mit Redakteurin Chiara Kucharski mit Vorurteilen aufräumen und gewährt neue Eindrücke.

Wie kamst Du auf die Idee, der Fremdenlegion beizutreten?



Militär hat mich schon immer interessiert und ich habe nicht den leichten Weg im Leben gesucht. „Nine-to-Five" ist nicht mein Ding. Nach dem Abitur habe ich bei einer Krankenversicherung hier in Münster gearbeitet. Das war ein entspannter Job, aber ich wollte mehr im Leben, mehr erleben. Die Bundeswehr war keine Option, weil es mir zu weich war.


Hattest Du dort schon Erfahrungswerte?



Nein, aber ich kannte Leute bei der Bundeswehr und das, was die mir erzählt haben, war nicht meines. Es gibt natürlich ein paar Einheiten, die mich interessiert hätten, aber mir ist das zu liberal gewesen. Das sind Nine-to-Five-Soldaten.


Ist das so? 



Ja, die haben mehr oder weniger Samstag/Sonntag frei. Es kommt auf die Einheit an, aber in solche, wie das KSK (Kommando Spezialkräfte), reinzukommen, ist auch nicht so einfach.


Aber in die Fremdenlegion hineinzukommen ist auch nicht sonderlich einfach, oder? 



Sich zu bewerben ist nur persönlich in Frankreich vor Ort möglich. Wie war das?
Vorab habe ich mich natürlich informiert und aufgesogen, was es an Informationen im Internet gab. Dann habe ich im Prinzip meine Sachen gepackt und bin los. Du brauchst im Grunde nur deinen Reisepass; für Leute, die aus der EU und dem Schengenraum kommen, reicht der Personalausweis und dann brauchst du fünf Unterhosen, fünf Paar Socken, drei T-Shirts, Rasierzeug und dann kannst du da eigentlich auftauchen.


Mehr darfst du wahrscheinlich auch gar nicht haben? Man muss doch in der Anfangszeit untertauchen? 



Genau. Kein Telefon, keinen MP3-Player oder irgendwas in der Richtung. Wenn Du in Aubagne genommen wirst, bleibst Du noch zwei Wochen dort und wirst dann, zur viermonatigen Grundausbildung im vierten Regiment, geschlossen nach Castelnaudary gesandt. Es gibt dann für vier Monate keinen Kontakt zur Außenwelt. Du kannst keinen Anruf mehr machen, nichts. Ab dem Zeitpunkt, in dem du da reingehst, ist es vorbei. 


Wie war das? 



Es ging eigentlich, für mich. Klar, Du denkst an deine Freundin, an deine Familie, aber du musst dich dann auf das konzentrieren, was ansteht. Du hast keine Zeit, um über irgendetwas nachzudenken, weil ständig irgendwas ist. Viel Sport, viel Formaldienst, Schießen und Waffenausbildung, ganz viel Bügeln und Waschen. Du wirst automatisch ordentlich. Wenn Du es nicht wirst, kriegst du es zu spüren.


Wie hat deine Familie auf deine Pläne reagiert? 



Meine Eltern wollten es mir zunächst ausreden, aber das war eine Entscheidung, die ich schon seit langem getroffen hatte. Ich wollte das machen. Ich wollte es selbst erleben, nicht nur aus Dokumentationen, Filmen oder Büchern. Es hat mich einfach gereizt und so habe ich im Januar 2023 meine Sachen gepackt und meinem Arbeitgeber gesagt, ich sei im Urlaub.


Im Urlaub? 



Ja… Ich hatte meine genauen Pläne nicht erzählt. Natürlich wissen sie es inzwischen, durch Hörensagen, aber ich habe damals gesagt, ich würde eine Europareise machen. 


Stimmt irgendwie, aber… 



Irgendwo stimmt das, aber da war ich nicht ganz ehrlich. Das ist auch etwas, womit ich im Nachhinein so nicht einverstanden bin. Da hätte ich ordentlich weggehen müssen und es ist eigentlich nicht meine Person, so etwas zu tun. Es passt nicht zu mir. Ich bereue es nicht, dass ich weggegangen bin. Nur wie ich es gemacht habe, das ist das Problem.


Wohin bist Du dann aufgebrochen? 



Es gibt in Frankreich zwölf Anlaufstellen, Rekrutierungscenter. Das nächste befindet sich in Straßburg. Wenn Du aber dort oder in Lille beginnst, dann bleibst du da wenige Tage und kommst von da aus sowieso nach Paris und dann nach Aubagne. Also bin ich direkt nach Aubagne gefahren. Das ist ein kleiner Ort neben Marseille, dort ist das erste Regiment. Ich bin ganz normal mit dem Zug über Köln nach Paris gefahren, von Paris nach Marseille. Dort habe ich eine Nacht im Hotel geschlafen und bin am nächsten Tag nach Aubagne gefahren.


Du hast dann einfach beim 1. Regiment geklingelt?  



Die Kaserne, der ganze Stützpunkt ist groß. Erst war ich nicht so aufgeregt, aber als ich ankam, schon sehr. Es ist das „Maison Mere“, das Mutterhaus der Legion. Da bündelt sich alles, dort sind die Administration und auch der Geheimdienst der Fremdenlegion, die GeStaPo, so nennt man es noch. Als ich ankam, konnte ich kaum meine Tasche auf den Boden stellen. Da kam schon ein Caporal-chef, ein Amerikaner, heraus und fragte, ob ich mich verpflichten will. Als ich bejahte, forderte er meinen Pass und ich konnte hineingehen.


Was wartete auch Dich und was sind das für Tests, die man dann machen muss? 



Da waren ein Haufen Legionäre und ich war echt nervös, aber der Caporal-chef, der mich reingelassen hatte, war freundlich und hat mir alles erklärt. Erstmal konnte ich zum Essen gehen, aber ich war dann auch erstmal in Zivil. So wie ich angekommen bin, so bin ich auch geblieben. Draußen waren andere Bewerber aus allen Ländern, aus Indien, Kolumbien, Brasilien, aus Irland. Nach ein paar Stunden habe ich den IQ-Test gemacht. 


Ist das ein besonderer IQ-Test? 



Nein, das ist ein normaler IQ-Test. Ein Eignungstest, wie man es auch bei der Bundeswehr kennt. Matrizen, ein bisschen Mathe, Formen erkennen und zuordnen, mit 3D-Ansichten umgehen, eigentlich ganz simple Sachen. 


Die Prüfungen gelten doch als schwer zu bestehen? 



Früher war das so, jetzt kommt es stark darauf an, wo du herkommst. Wenn du aus Europa kommst, dann ist es mittlerweile relativ leicht, reinzukommen, weil sie Europäer brauchen. 


Was macht das für einen Unterschied für die Legion? 



Generell wollen sie Mafiabildung vermeiden. Aktuell ist der Stand so, dass die Hauptnationalitäten aus Nepal, Brasilien, Kolumbien und Madagaskar kommen. Das wollen sie unterbinden, indem sie mehr Europäer suchen. Es ist nicht, dass sie dich so nehmen, aber wenn du zeigst, dass du motiviert bist und die Tests bestehst, dann wirst du eigentlich genommen. Ausnahmen gibt es bei gravierenden Straftaten. Mörder und Sexualstraftäter wurden noch nie genommen.


Es heißt schon, dass es früher eben nicht so genau genommen wurde.



Na ja, das stimmt so nicht. Schon seit Beginn der Fremdenlegion um 1831 wurden die nie genommen.


Sicherlich war es früher kaum möglich, so etwas nachzuverfolgen.



Ja, das stimmt. Heute gibt es andere Möglichkeiten der Überprüfung, auch durch Interpol, mit denen die Legion zusammenarbeitet. Auch gibt es dieses berühmte Geheimdienst-Interview, das ist der Secret Intelligence Service der Fremdenlegion, der dann mit den Bewerbern spricht. Der ist klein, gehört aber zum Geheimdienst der französischen Armee. 

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Fünf Socken, drei T-Shirts, Rasierzeug und schon kannst du auftauchen

Die Fremdenlegion ist auch Teil des französischen Heeres?



Genau, wir sind keine PMC (Private Military Company), es ist keine Söldnertruppe, sondern wir sind offiziell ein Teil der französischen Armee.


Du wurdest bereits im französischen Inland eingesetzt, zu welchem Zweck?



Das war ein kleiner Einsatz während der Grundausbildung. Da lief gerade das „Vigipirate“ in Toulouse. Seit den Anschlägen rund um Charlie Hebdo und was im November 2015 im Bataclan in Paris war, läuft die Opération Sentinelle. Da geht es um Inlandsschutz, Anti-Terror. Im Prinzip wird in jeder größeren Stadt in Frankreich patrouilliert und es werden Objekte bewacht. Als Beispiel in Paris, werden der Eiffelturm, Louvre, Arc de Triomphe, generell die Hotspots, bewacht. Das machen nicht nur Legionäre, sondern das ganze Heer.


Wie sah dagegen dein kürzlicher Auslands-Einsatz in Mayotte aus?



Von Juli bis Oktober war ich in Mayotte. Es gibt zwei verschiedene Einsätze. Es gibt OPEX, das ist ein richtiger Kampfeinsatz im Ausland und es gibt eine MCD, Mission courte dureé. Das ist nur ein kleiner Einsatz im Ausland. Bei mir war es eine MCD, da ging es um Migrantenabwehr. Leute, die aus Madagaskar kommen, aus Mosambik oder den Komoren, wollen einfach nur in die EU gelangen, weil Mayotte zwar in Afrika liegt, aber ein Departement von Frankreich und somit Teil der EU ist. 


Das heißt, Du warst noch in keinem Kampfeinsatz?



Nein, im Kampfeinsatz war ich nicht.


Wie ist das moralisch für dich, im Ernstfall Menschen töten zu müssen?



Das habe ich noch nicht gemacht, das kann ich ehrlich sagen. Es ist auch noch nie zu einer Kampfhandlung bei mir gekommen. In dem Moment ist es der Feind und ich glaube, dass Du im Kampf nicht darüber nachdenkst. Du machst alles, was Du gelernt hast, mechanisch. Der eine kriegt danach ein Trauma mehr und der andere weniger. Posttraumatische Belastungsstörungen sind weit verbreitet, aber darüber wird nicht viel geredet.


Wie sieht dein Alltag in der Legion aus?



Wenn ich bei uns im Regiment bin, unterscheidet sich das im Alltag nicht sehr von anderen Regimentern. Ich bin bei der Kavallerie. Man steht um sechs Uhr auf, dann ist Weckruf. Sich jeden Tag zu rasieren, ist Pflicht. Aufräumen, Sachen zurechtlegen, es muss alles ordentlich sein. Um acht Uhr ist Antreten mit der ganzen Kompanie. Dann steht meistens Sport auf dem Plan, Kollektivsport. 


Was macht ihr an Training?



Das ist entweder Laufen oder Klimmzüge, Liegestütze, generell Calisthenics-Übungen, Seilhochklettern, schwimmen gehen wir auch. Im Sommer sind wir in Marseille schwimmen, denn das Regiment ist nicht weit von Cassis. Im Winter sind wir im Schwimmbad, aber manchmal auch im Meer, da wird keine Rücksicht wegen der Kälte genommen.


Was ihr macht, gilt doch als härtestes Militär, oder?
 


Ja, aber das würde ich nicht mehr so unterstreichen.


Gehört es zu den Dingen, die Du dir anders vorgestellt hast? Ist es dir nicht hart genug?



Es ist schon hart genug, aber nicht mehr so professionell wie früher. Meiner Meinung nach fehlen Leute mit einem höheren Schulabschluss und auch Leute aus Europa. De facto braucht es keinen Schulabschluss, sondern Motivation, Wille und Ehrgeiz, das war schon immer so. Doch generell ist es nicht mehr so wie früher, zumindest was ich von alten Legionären weiß, die in den Achtzigern und Neunzigern gedient haben. Durch die Gesellschaft, durch die sozialen Medien hat sich viel verändert. 


Inwiefern?



Früher wusstest Du nicht, wie es in Afrika, in Südamerika, in den USA aussieht. Jetzt kennst Du alles durch Instagram und TikTok und hast einen ganz anderen Bezug dazu und die Leute sind einfach nicht mehr so motiviert, etwas zu tun.


Ach, echt?



Viele kommen für den Pass und das Geld, weil Du nach fünf Jahren die französische Staatsbürgerschaft beantragen kannst. Dafür musst Du den Vertrag dann verlängern, also mindestens acht Jahre dienen. Früher waren die Leute aus anderen Beweggründen da. Heute sind siebzig Prozent der Leute wegen Pass und Geld dort und haben kein Engagement mehr für die Sache.

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Im Winter sind wir schon mal im Meer

Nachdem man aufgenommen ist, wird aber keiner mehr nach Hause geschickt?



Eigentlich nicht. Du wirst bis zum letzten mitgezogen. 


Das wirkt sich sicherlich auch auf das Vertrauen untereinander aus?



Es herrscht schon eine Gemeinschaft. Das wird uns auch von Anfang an beigebracht. Selbst wenn du ein störrischer Typ bist, wird dir das im Kopf ausgetrieben, Lernen durch Schmerz, ganz einfach. Da gibt es bei den Ausbildern und Vorgesetzten kein Mitgefühl. Denen ist es egal, ob du Deutscher oder Brasilianer bist. Wenn du bockig bist und den Zug aufhältst, dann wird dir schon beigebracht, wie es anders läuft.


Hat dich die Fremdenlegion sehr verändert oder geprägt?



Man wird abgestumpfter. Banale Dinge tangieren einen nicht mehr so. Wenn irgendwo einer heult, da wird man schon ein bisschen emotionsloser. Je länger du da bist, desto mehr verlierst Du den Bezug zum zivilen Leben. 


Muss man zu Beginn nicht auch eine neue Identität annehmen?



Genau. Wenn du den Aufnahmetest bestehst, dann kriegst du abends deine neue Identität. Du bekommst einen Zettel, auf dem dann dein neuer Name, die neue Geburtsstadt und dein neues Geburtsdatum steht. Deine Eltern kriegen auch einen neuen Namen.


Da hat man wahrscheinlich kein Mitspracherecht?



Nein, aber die Namen orientieren sich an deinen tatsächlichen Initialen. Bei mir ist es „E.S.“ Ich hieß Erwin Schwarz, aus München. 


Das darfst Du mir verraten? 



Ja, das ist in Ordnung. 


Irgendwann darf man seinen ursprünglichen Namen wieder annehmen?



Man darf, muss es aber nicht. Ab dem Zeitpunkt, in dem du das Anonymat hast, verlierst du aber deine ganzen bürgerlichen Rechte. Alles, was sie dir sagen, wird auch so gemacht. Du kannst keinen Handyvertrag abschließen, Du kannst dir kein Auto mieten, Du darfst nicht heiraten. Sehr viele Sachen gehen dir einfach verloren. 


Du hast also deinen Namen wieder? 



Genau, um deine wahre Identität wieder zu bekommen, musst du einen Brief an den General schreiben und dann kriegst du den Reisepass und deinen Führerschein wieder. Doch das Heiratsverbot und dass man kein Auto besitzen darf, gilt nach wie vor. Das gilt fünf Jahre für jeden Legionär. 


Reicht es dir nach den fünf Jahren?  



Auf jeden Fall. Man hat nichts vom eigenen Leben, während man dort ist. Bis teilweise 21 Uhr musst du noch irgendwas erledigen, das zieht an den Nerven. Du hast keine Wochenenden, keine Freizeit, hast Wachdienst oder bist drei Wochen im Feld auf Übung. Das ist eigentlich… so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber Vollzeit-Soldat zu sein, reicht für fünf Jahre.

 

Weißt du schon, was du dann machen möchtest? 



Ein bisschen Dienstzeit habe ich noch. Aber natürlich denkt man schon an das zivile Leben, vor allem wenn man eine Partnerin hat. Für mich steht fest, dass ich nicht weitermachen will und auch, dass ich nicht in Frankreich leben will. Jetzt habe ich den Vergleich und finde es in Frankreich deutlich schlechter als in Deutschland, das muss ich ehrlich sagen. 


Ja? 



Obwohl die Franzosen immer noch diesen Esprit haben, teilweise von früher. Gut, ich kenne nicht viele Zivilisten, nur Ex-Legionäre. Aber der ganze Esprit und alles, was diese Institutionen ausmacht, das ist geblieben. In der Legion ist es nach wie vor ein geschlossenes System, man findet nicht viel heraus. Wenn man sich Dokus anguckt, dann ist es oft nicht die Wahrheit beziehungsweise ist viel dazu gedichtet.


Was wäre das?



Dass es die härteste Elitetruppe der Welt sei, das stimmt nicht.


Welche Einheit würdest Du stattdessen nennen?



Das kann man nicht auf eine einzige Einheit festlegen. Es gibt in jedem Land Spezialeinheiten, wie das Spetsnaz in Russland, die SAS aus England oder die US Navy Seals. In Frankreich wären es die Kampfschwimmer. Die sind auf jeden Fall schon mal härter als die Fremdenlegion. Das KSK in Deutschland ist besser ausgebildet und auch professioneller als die Fremdenlegion.


Woran liegt das?



Schon an der Tatsache, dass wir als Ausländer alle französisch sprechen müssen. Das führt zu massiven Kommunikationsschwierigkeiten und Missverständnissen. Unter Umständen kann man englisch reden, die Brasilianer sprechen Portugiesisch und Leute aus Kolumbien, Venezuela, Peru sprechen Spanisch miteinander. Das ist normal und Du lernst viele coole neue Wörter aus den anderen Sprachen. Deswegen ist das Legionsfranzösisch kein Standard-Französisch, wie es sonst gesprochen wird. Es ist ein sehr abgehacktes Französisch mit sehr vielen Wörtern aus anderen Sprachen. Okay, das sind meistens Beleidigungen.


Ich wollte auch nicht nachfragen…



Ja, die integrierst du einfach in dein Französisch. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du im Französischen nicht mehr progressierst. 


Was unterscheidet euch von der restlichen französischen Armee?



Wir sind eine Schocktruppe. Du wirst da, wo es brennt, eingesetzt, um möglichst schnell und effektiv zu handeln. Dieser Mythos, härteste Elitetruppe der Welt zu sein, gefällt mir nicht, aber wir sind eine harte Truppe und vielleicht sind wir auch eine der besten Schocktruppen. Aber die Marines in Amerika oder andere Eliteeinheiten, sind genauso gut.


Gibt es sonst noch Klischees, mit denen du gerne aufräumen würdest? 



Man sollte sich von Dokumentationen oder Social Media nicht blenden lassen. Das ist nicht die Realität. Dass keine körperlichen Strafen mehr vorherrschen, ist auch nicht die Wahrheit.


Wie sehen die aus? 



Legionäre werden in der Regel nicht geschlagen, aber auch das kommt vor. Man kriegt den ein oder anderen Boxhieb auf den Körper, meistens die Brust. Ansonsten sind physische Strafen meistens Liegestütze auf den Fäusten, keine allzu harten Strafen. Ein weiteres Klischee ist dieser ganze Mythos, dass wir Söldner und unter uns Mörder seien. Legionäre sind normale Menschen. Es sind Soldaten, im Dienste Frankreichs. 


Da gibt es unterschiedliche Haltungen zu.



Jeder hat seine Ansicht, ob Soldaten Mörder sind oder nicht. Aus der Sicht eines Soldaten, finde ich, dass ein Land ein starkes Militär zu Verteidigungszwecken braucht, nicht zu einem Angriff! Ich bin hundertprozentig gegen Krieg und hundertprozentig gegen unnötiges Sterben. Das sage ich auch als Legionär. Wir töten nicht aus Hass oder persönlichen Beweggründen. Es steht auch in Artikel sieben des Ehrencodex des Fremdenlegionärs. Du kämpfst ohne Hass und Leidenschaft, du respektierst deinen besiegten Gegner.


Ernest Sartison, Jahrgang 1997, geboren in Münster, ist im Jahr 2023 von hier aus in das Haupt-Militärlager der Fremdenlegion nach Frankreich, Aubagne (nahe Marseille), gegangen. Er plant, nach seinem Fünf-Jahres-Vertrag wieder in das zivile Leben und nach Deutschland zurückzukehren.

lllustration Thorsten Kambach / Fotos Ernest Sartison

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