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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Peter Sauer spricht mit Dr. Marc Hoefeld-Fegeler über Vorsorgeuntersuchungen, Männer-Tabus und sein Leben in Angelmodde.

FRAUEN MACHEN ES MEIST REGELMÄßIG, MÄNNER OFT ZU SPÄT

Während Frauen vergleichsweise früh und meist regelmäßig zur Vorsorge gehen, drücken sich Männer oft viel zu lange davor. Für Hautarzt und Gesundheitscoach Dr. Marc Hoefeld-Fegeler stellt dies ein Risiko dar. Der Münsteraner will die Prävention verstärken und Männer ermutigen, rechtzeitig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Insgesamt will er die gesundheitliche Eigenverantwortung fördern und so die Lebensqualität verbessern. Das bedeutet: Hemmschwellen, falschen Stolz und festsitzende Tabus abbauen. Darüber hat er das Buch „Männergesundheit“ geschrieben, hält Vorträge und macht Podcasts.

In letzter Zeit hatten wir in Münster oft einen goldenen Herbst mit reichlich Sonne. Muss ich mich da eigentlich auch eincremen?


Gerade wenn wir einige Zeit mal keine Sonne gesehen haben, ist es um so wichtiger, sich bei kräftigerem Sonnenschein, unabhängig von der Jahreszeit, auch im Herbst gut einzucremen. Es ist egal, welche Bewölkung gerade am Himmel vorherrscht. Die Sonne wird durch Wolken, die letztlich kleine Regentropfen sind, gebrochen. Dadurch kommt die Sonne noch diffuser an die Erdoberfläche.


Einige Münsteraner fahren im Herbst in die Berge oder an die See. Was empfehlen Sie als Hautarzt?


Mit Blick auf die Sonneneinstrahlung die ABC-Regel: „A“ wie Sonne ausweichen. Bei starkem UV-Licht gerade in südlichen Regionen am Besten in der Mittagszeit eine Siesta halten, denn in dieser Zeit wirkt etwa 50 Prozent der UV-Strahlung auf unsere Körperoberfläche. Die Sonne gleicht einem großen Feuerball, der UV-Strahlung in Richtung Erde absondert. Und die schützende Ozonschicht wird immer schwächer, die Lichtintensität scheint immer stärker. Als Kind malte ich immer eine gelbe Sonne, heute ist die gleißend-grell, wenn ich tagsüber in den Himmel schaue.


Und wie geht es nach „A“ weiter?


Dann folgt „B“, wie sich bedecken. Am besten empfiehlt es sich, eng gewebte und langärmelige Textilien zu tragen. Und dann kommt „C“, das Eincremen. Besonders am Meer, da kommt Sonnenlicht von oben und durch die Wasseroberfläche reflektiert auch von unten, oder in den Bergen, da sollte man stets einen hohen Lichtschutzfaktor nehmen. Und dabei gilt es auch immer, die Reihenfolge einzuhalten, also: ausweichen, bedecken und cremen.


Wie viel Sonnencreme ist sinnvoll?


Ich empfehle als Hautarzt, jetzt mal unabhängig von der Thematik mineralischer versus chemischer Sonnenschutz, die Menge eines Teelöffels für das Gesicht, zwei Esslöffel für den übrigen Körper.


Gibt es nach Ihrer ABC-Regel auch noch einen weiteren prägnanten Buchstaben?


Das „D“ könnte man ergänzen. Für Durchuntersuchung, also den Vorsorgetermin für das Hautkrebsscreening. Allen gesetzlich Krankenversicherten steht dies spätestens ab 35 Jahren zu. Menschen mit einem Hautkrebs in der Familienanamnese sollten dies ruhig auch früher in Angriff nehmen.


Muss ich mir Gedanken um die Kosten machen?


Das Hautkrebsscreening zahlen alle Krankenkassen alle zwei Jahre, wie gesagt, spätestens ab 35 Jahren, nach Rücksprache mit diesen häufig auch schon eher, denn es wird hautärztlicherseits empfohlen, ab 20 bis 30 Jahren mit der Vorsorge zu beginnen.


Ist das Screening eigentlich nur eine Muttermalkontrolle?


Nein, das ist ein großer Irrtum. Das Hautkrebsscreening umfasst die Vorsorge des schwarzen wie des weißen Hautkrebses. Das sogenannte maligne Melanom ist häufig an Muttermale assoziiert. Es fällt dadurch auf, dass diese rot oder schwarz werden, während der in den letzten Jahren stetig zunehmende weiße Hautkrebs die lichtempfindliche Haut betrifft, häufig durch Operation geheilt ist und nur sehr selten metastasiert. Diesbezüglich sollte man insbesondere Gesicht und Unterarme, Männer auch die lichter werdende Kopfhaut und Frauen das Dekolleté vor chronischer UV-Einstrahlung schützen und so – im Hinblick auf den schwarzen Hautkrebs – Sonnenbrände und kindliche Sonnenschäden vermeiden.


Vorsorge ist also das A und O?


Ja, früh erkannt, kann man Hautkrebs meistens heilen.


Und Männer gehen nie oder zu spät zur Vorsorge?


Frauen gehen früh, meistens rechtzeitig und regelmäßig zur Vorsorge. Männer können sich da von den Frauen noch etwas abgucken. Denn Fakt ist: Männer sterben noch immer durchschnittlich fünf Jahre früher als Frauen.


Woran liegt das Problem der Männer mit der Vorsorge?


An falschen Hemmungen, sich ganz entkleidet von einem Arzt untersuchen zu lassen, an Selbstüberschätzung hinsichtlich der eigenen Gesundheitswahrnehmung sowie an männlicher Bequemlichkeit. Ich erlebe in unserer Hautarztpraxis, dass Männer häufig an der Hand der Frau mitgenommen werden, sie hat den Termin vereinbart, oder Männer kommen selbst, aber oft erst, wenn sie etwas haben. Das ist dann meistens später als wünschenswert.

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Was raten Sie den Männern?


Spätestens mit 35 Jahren zur Hautvorsorge, mit 45 zur Prostatavorsorge und mit 55 zur Enddarmvorsorge. Bei Frauen sind allein schon die gynäkologischen Vorsorgen viel früher. Das Wichtigste ist immer, daran zu denken, dass ein fortgeschrittenes Tumorwachstum nicht selten lebensverkürzend sein kann. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser kann man ihn behandeln. Und die Haut ist mit zwei Quadratmetern Körperoberfläche nun mal das größte Organ des Menschen.


Das heißt konkret? Was kann ich tun?


Ich rate jenseits der Vorsorge am besten einmal im Monat im Bad oder unter der Dusche an sich herunterzuschauen, um Hautveränderungen in Form, Farbe und Fläche möglichst früh wahrzunehmen – kurz: die 3F-Regel. Schauen, ob etwas größer wird, oder entrundet und sich farblich verändert, vor allem dunkler wird.


Gibt es eigentlich konkrete Zahlen?


Allgemein gibt es auf 100.000 Menschen in Deutschland 328 Hautkrebsneuerkrankungen im Jahr, davon 290 mit weißem und 38 mit dem gefährlicheren schwarzen Hautkrebs.


Das sind alarmierende Zahlen. Sie haben auch deshalb ein Buch über Männergesundheit geschrieben...


Als Aufhänger. Das Buch richtet sich an Frauen und Männer gleichermaßen und umfasst das Thema ‚Gesundheit‘ ganzheitlich, nicht nur haut-bezogen.


Inwiefern?


Wichtig ist, dass eine gesunde Lebensweise die beste Möglichkeit ist, Krebs und anderen Erkrankungen vorzubeugen. Deshalb geht es in meinem Buch um Gesundheitsförderung und Prävention. Dass jeder für sich Eigenverantwortung übernehmen soll. Dass er bewusster lebt. Das fängt bei der Arbeit an, da geht es um das persönliche Stress-Level, ob man abends mit der Arbeit ins Bett geht und morgens mit dem ersten Gedanken an sie wieder aufsteht und nur funktioniert. Es geht aber auch um Ernährung: Esse ich wirklich bewusst oder nur immer zwischendurch. Dann ist die Frage, bewege ich mich ausreichend oder sitze ich viel, was tue ich für meinen Körper, wie sieht es mit Partnerschaft und Sex aus. Ohne Selbstliebe gibt es auch da nicht selten Probleme – auf kurz oder lang.


Alles wirkt zusammen…


Ja, ich möchte mit meinem Buch jeden Menschen anspornen, etwas für seine Gesundheit zu tun, ihn zu einem bewussteren Leben motivieren, damit jeder Mensch energiereich, zufrieden und vor allen Dingen gesund alt werden kann. Wir müssen uns auch klar machen, mit wie viel Zeitfressern wir uns täglich beschäftigen. Mal offline zu sein, mehr auf das persönliche Miteinander zu setzen, das ist sehr wichtig. Denn ohne Gesundheit ist alles nichts.


Und dieser Appell richtet sich besonders an Männer?


Viele Männer behandeln ihren Körper wie eine Maschine. Als ob es immer so geschmiert weiter läuft, wie bisher. Wenn er dann kaputt ist, rennt der Mann zum Arzt und will am liebsten etwas dagegen haben, anstatt bei Zeiten etwas dafür zu tun.


Was machen gerade Männer falsch?


Sie haben fleißig malocht, „gut“ gegessen, mal über den Durst getrunken, alles in Ordnung.

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Dr. Marc Hoefeld-Fegeler liebt die Natur.

Aber?


Bis 50 verzeiht der Körper fast alles. Ab 50 aber meistens nicht mehr. Die Leber- oder Blutfettwerte steigen zum Beispiel, es gibt Probleme mit dem Blutdruck oder mit dem Wachstum der Prostata.


Warum sind Sie eigentlich Arzt geworden?


Das ist eine gute Frage und nicht so leicht zu beantworten; sicherlich familiär mitgeprägt. Je länger ich als Arzt arbeite, desto mehr merke ich, dass ich auf jeden Fall nicht nur Krankheiten behandeln und häufig nur schulmedizinisch verwalten, sondern vielmehr Gesundheit ganzheitlich fördern und Mitmenschen für Präventionsmaßnahmen sensibilisieren möchte.


Was ist Ihr Ziel?


Ich will insgesamt einen Mehrwert erzielen, nicht nur für Männer, sondern für alle, die ohne die klassischen Volkskrankheiten durchs Leben gehen wollen. Dass sie eigenverantwortlicher auf sich achten – wie ganzheitlich in meinem Buch beschrieben. Große Hoffnungen setze ich da auf sich verbreitende Vorsorge-Recalls, Gesundheitsapps und auf die junge Generation.


Warum?


Junge Menschen kommen über das Internet meist frühzeitiger schon mit gesundheitlichen Themen in Berührung. Aber das können auch Ältere. Ohne Probleme.


Ihre Praxis ist in der City. Sie wohnen aber in Angelmodde. Haben Sie den Kontrast bewusst gewählt?


Genau. Zur Praxis fahre ich meist bei jedem Wetter mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Das lüftet den Kopf gut durch. Vor allem wenn ich nach dem Arbeitstag von der trubeligen, häufig lauten Stadt ins beschauliche Angelmodde radele und dort zur nötigen Ruhe komme.


Was machen Sie in Ihrer Freizeit?


Ich spiele Speckbrett an der Sentruper Höhe, höre gerne Musik, meditiere und genieße Spaziergänge mit unserem Yorkshire-Terrier-Pudelmischling „Chuko“ an den Auen der Werse. Auf Anregung meiner Frau mache ich neuerdings auch Yoga. Erst dachte ich, das wäre nur was für Frauen. Aber falsch gedacht. Es tut mir sehr gut. Das sind wichtige Bewegungsmuster, um aus dem statischen Alltagsleben herauszukommen.

Dr. Marc Hoefeld-Fegeler
Er ist geboren am 13.05.1977 in Münster, hat in Köln, Budapest und Magdeburg studiert, in der Fachklinik Hornheide gearbeitet und ist seit zwölf Jahren niedergelassener Arzt in einer hautärztlichen Gemeinschaftspraxis in Münster. Seit 2020 engagiert er sich auch als Gesundheitscoach und Redner. 2022 erschien das Buch „Männergesundheit – Aus Sicht eines Arztes und Coaches“. Seinen Podcast „Gesundheit für Alle!“ kann man auf den gängigen Podcast-
Streamingdiensten und auf Youtube hören.
www.youtube.com/@dr.marchoefeld-fegeler9860/videos). Er wohnt in Angelmodde.
Nächster Vortrag: „Ohne Gesundheit ist alles nichts“: am 13. September um 19 Uhr im Atlantic Hotel Münster;
Tagesseminar „Heile Dein Leben“ am 21. Oktober von
10-18 Uhr im Watermark Coworking Münster-Hafen
(Hafenweg 22). Anmeldung: www.dr-marc.de
Alles zum Buch www.dr-marc.de/maennergesundheit

llustration Thorsten Kambach / Fotos Dr. Marc Hoefeld-Fegeler

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