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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Stephan Günther und Azra Durakovic versuchen die Welt zu retten

KOWE – KLEIDUNG
MIT GUTEM GEWISSEN

„Kowe (Subst., Femin.): Kleidung, Anzug“ - so steht es im Masematte-Wörterbuch. Damit ist auch eigentlich schon erklärt, was Azra Durakovic und Ihr Team bei kowe.ms machen. Sie stellen Kleidung her, genauer gesagt Shirts und Hoodies mit Münster-Motiven. Von Münsteranern und für Münsteraner! Das alleine wäre schon interessant, doch gehts den jungen Kreativen noch um einiges mehr. Was Azra und ihrem Team noch wichtig ist und kowe somit wohl einzigartig macht, erzählt sie uns im Interview.

Warum noch eine Klamotten-Marke für Münster?


Ich weiß was du meinst. Ich will niemandem zu nahe treten, jeder andere bedient seine Sparte und hat seine Daseinsberechtigung. Gefühlt blieben aber seit langer Zeit die Innovationen aus. Ich dachte mir „Hey, warum gibt es denn niemanden, der mal was Neues macht, oder die einzelnen Stadtviertel präsentiert…“. Da war die Idee geboren, dass Angebot mit Münster-Klamotten noch zu erweitern.


Von der Idee bis zur Umsetzung, wie ging es dann weiter?


Wir hatten im letzten Jahr die Möglichkeit, kurzfristig einen Stand auf dem nachhaltigen Weihnachtsmarkt in Münster zu bekommen. Das ist der X-MS Markt am Harsewinkelplatz. Das passte natürlich perfekt, nachhaltig und lokal. Schnell war klar, dass wir da was machen wollen. Die Idee mit den Shirts gab es ja schon länger und glücklicherweise haben wir Christoph von Siebdruck MS kennengelernt. Er ist einfach der perfekte Partner für uns, um das ganze zu realisieren. Dann passierte alles ganz schnell. Mit viel Motivation haben wir es dann geschafft, dass das letzte Design auf den allerletzten Drücker fertig war. 10 Tage vor Beginn des Marktes. Die folgenden 10 Tage und Nächte wurden dann fast durchgearbeitet um pünktlich zum Verkaufsstart alles parat zu haben. So wurde die Idee also sehr schnell sehr konkret.


Du sagtest eingangs, Ihr macht auch Stadteil-Motive. Das machen ja mittlerweile viele andere auch, meist auf Bestellung, Spreadshirt und Co.. Was unterscheidet Euch da?


Das ist recht einfach, die Qualität. Was du da meist zugeschickt bekommst, ist erst mal eine schönes Shirt, bleibt es aber leider nicht lange. Also was wir hier machen, Siebdruck, das ist das absolut hochwertigste Verfahren, was du benutzen kannst, wenn du Textilien bedrucken willst. Die Farbe wird quasi in das Textil reingepresst und ist anschließend fest mit der Faser verbunden. Das bekommt man nicht mehr ausgewaschen, da blättert nichts ab, das geht nur mit der Schere wieder raus. (Lacht) Kurzum, Qualität und Langlebigkeit - das sind die großen Unterschiede.


„Kowe“ ist ja nun kein Allerweltsname, sondern sehr regional. Bist du gebürtige Münsteranerin?


Ich würde schon sagen, dass ich Münsteranerin bin, weil ich hier aufgewachsen bin. Geboren wurde ich aber in Bosnien. Als ich 5 war, bin ich als Flüchtling hier her gekommen und geblieben. Also ich bin schon heimisch hier. 


Heimat ist ja manchmal kein Ort sondern auch ein Gefühl. 


Genau und ich fühle mich als Münsteranerin!


Ihr legt bei Kowe ja nicht nur wert auf Qualität und Langlebigkeit, oder?


Richtig, auch Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Das fängt damit an, dass wir komplett nachhaltig gehandelte Textilien benutzen, die auch ernsthaft nachhaltig gehandelt wurden, nicht nur für’s Etikett. Wir betreiben und unterstützen kein Greenwashing. Die Sachen sind in jedem Aspekt so ethisch wie nur möglich hergestellt.


Was versteht man unter „ethisch“ in diesem Zusammenhang?


Es fängt damit an, dass die Baumwolle in Monsungebieten weiterverarbeitet wird, wo genug Wasser zur Verfügung steht. Das geschieht in hochmodernen Fabriken, die sozusagen auf europäischen Niveau sind, was Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte angeht. Die Shirts sind so grün, dass Greenpeace die zum 50jährigen bestehen bestellt haben, also bei unserem Zulieferer, nicht bei uns. (Lacht)

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Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema

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Also kauft Ihr ein und druckt „nur“ selbst?


Genau, den Druck machen wir selber. Aber auch das ist nachhaltig, die Farben sind zum Beispiel auf Wasserbasis, die dadurch halt schon einfach der Umwelt nicht schaden. Auch die Langlebigkeit spielt hier wieder eine Rolle, die Sachen holt man wirklich auch nach 3-4 Jahren noch gerne aus dem Schrank und zieht sie an. Zudem produzieren vor Ort und bekommen die Sachen CO2-neutral geliefert. Üblicherweise schaffen wir das, die auch mit dem Fahrrad auszuliefern, also auch letzte Meile mit dem Fahrrad zu machen. Mehr geht eigentlich fast nicht.


Wow, das ist ja schon beachtlich. Ihr müsst also nur darauf vertrauen, dass der Zulieferer der Shirts auch die Wahrheit sagt…


Im Prinzip schon. Unser nächstes Ziel ist dennoch, dass wir da selber hinfahren und uns alles natürlich selbst anschauen. Glauben ist schön, aber wissen ist besser. Ich würde aber momentan ehrlich sagen, dass es ein wirklich gewissenhafter Hersteller ist. Die arbeiten schon seit 2008 so, also lange bevor es „cool wurde“. Die meinen das ernst, die Fabriken arbeiten auf regenerativen Energien und es wird nichts über CO2-Zertifikate oder so sauber gekauft.


Und wo werden die Shirts produziert?


In Monsungebieten in Südindien, da man für die Baumwollverarbeitung ganz viel Wasser benötigt., da, kommt man nicht drumherum. Deshalb geht man da hin, wo man niemandem das Trinkwasser klaut. Dieser umstand ist dort gegeben.


Ich bohre noch mal weiter, wisst Ihr auch wo und wie die Baumwolle geerntet wird?


Absolut! Es ist Bio-Baumwolle, das muss ja nachgewiesen werden. Ich kann beim Hersteller sicher die entsprechenden Zertifikate anfragen, aber das ist auf jeden Fall sauber. Die Verwendung von Bio-Baumwolle ist ja schon der erste Schritt im nachhaltigen und fairen Kreislauf.


Es ist ja durchaus zum Trend geworden, wirklich alles genauestens zu hinterfragen.


Das ist auch richtig so! Das ist ja genau das Problem. Ich meine, wenn ich mir jetzt meine Schokolade im Supermarkt hole zum Beispiel. Da mag die ja irgendwo ein grünes Label drauf haben, aber oft genug steckt da halt trotzdem überspitzt gesagt Kinderschweiß und Sklavenblut mit drin.


Gefühlt bekommen die Produkte ja auch immer schneller irgendwelche Zertifikate oder Siegel…


Ja, Greenwashing halte ich auch für den größten Feind dieser großen „grünen Geschichte“. Dass jetzt jedes multinationale Unternehmen losgeht und sich einen grünen Anstrich verpasst, ist, sagen wir moralisch zweifelhaft.

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Das T-Shirt muss sich auch mal ordentlich stretchen lassen

Wie siehts im Privatleben aus mit Nachhaltigkeit?


Man wird ja spätestens seit der Klimathematik stets und ständig damit konfrontiert. Ich versuche natürlich, so nachhaltig wie möglich zu sein. Aktuelles Beispiel Schuhe, habe mir jetzt vegan und nachhaltig gehandelte 170-Euro-Sneaker gekauft. Mit denen bin ich übrigens nicht mal zufrieden! (Lacht) Aber im Ernst, natürlich versucht man das Thema ins gesamte Leben mit reinzuziehen.


Bei Euren Shirts stimmt die Qualität aber?


Ja klar! Alles ist ordentlich vernäht, die Shirts haben Nähte wo welche hingehören, das ist keine Schlauchware. Die Seitennaht ist wichtig, man kann sie sich wie eine Dehnungsfuge an der Brücke vorstellen, die brauchst du einfach. Das Teil muss sich einfach hier und da mal stretchen können und so was, sonst verzieht sich das ganze Shirt. Wer billig kauft, kauf zweimal!


Ich mag auch Eure Motive, elegant und minimalistisch.


Und alles designt in Münster. Das Fahrrad, unser Topseller, ist zum Beispiel unter dem Zeitdruck der Weihnachtsmarkteröffnung entstanden. Christoph und Tobias (der andere Teil von kowe.ms) saßen bei einem Bier zusammen und haben einfach ein wenig vor sich hin gezeichnet. Der eine mit dem Stift und der andere am PC. Am Ende ergab das dann dieses Fahrrad. Übrigens ist das mit einem Strich gezeichnet, wie übrigens auch zwei weitere Designs!


Wow, das hätte ich nicht gewusst!


Was den Minimalismus angeht, gibt es aktuell eine kleine Änderung (lacht)! Wir haben ein neues Shirt, surprise, surprise: Ein Hawerkamp-Shirt! Das wird ein Wimmelbild, auf dem vieles passiert und zu entdecken gibt. Einen Prototypen davon haben wir schon bei Rettet den Hawerkamp getestet und ich glaube, dass das Design viele Fans finden wird. Seid gespannt!


Das sind wir! Azra, ganz lieben Dank für das tolle Gespräch!

Azra Durakovic

Sie wurde 1986 in Banja Luka, in Bosnien geboren. 1992 floh sie während des Jugoslawienkrieges nach Deutschland.
Münster hatte das Glück, dass ihr Weg hierhin führte.
2008 machte sie hier Ihre Ausbildung zu Zahnmedizinischen Fachangestellten und arbeitet bis heute hauptberuflich in einer Zahnarztpraxis in Mauritz. Nebenbei gründete sie das Modelabel kowe.ms.

llustration Thorsten Kambach / Fotos Pressefotos

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