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2022-11-07 Stadtgeflüster Illustration Ekki kurz.tif

Thorsten Kambach besucht Axel Bröker und Eddy Verbeek in ihrem neuen Lokal „Brot & Salz“.

VIER AUSTERN, ZWEI MÄNNER, EIN GEDANKE

Münster im Herbst 2023. Viele Geschäftsleute geben auf, verlassen die Stadt, ziehen was Neues auf in einem Van oder einfach fort. Nicht so Axel Bröker und Eddy Verbeek. Die Gastrokönige beglücken uns regelmäßig mit besonderen Ideen. Seien es die Kölsch-Kneipen-Legende Früh bis Spät oder das karaokegetränkte Eddy´s Bar – die beiden sind ganz vorne mit dabei. So auch heute: Da steht seit einigen Monaten das wunderschöne Mauritztorhäuschen leer und wartet darauf, wachgeküsst zu werden. Und wer könnte das besser als diese beiden Legenden der Gastronomie?

Axel, du bist schon mal mit Eddy gescheitert …


Axel (lacht): …!


Eddy: Bekloppt.


Axel: Das war aber nicht zu vergleichen.


Eddy, jetzt guck nicht so böse. Das war nur ein Scherz.


Eddy: Ich kenn´ deine Scherze. Das geht doch schon wieder voll in die Hose.


Axel: Kinders, bitte!


Fangen wir nochmal an. Axel, Eddy, ihr habt was Neues vor. Ihr möchtet das wunderschöne Torhäuschen …


A: … aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Das Häuschen ist ein echtes Kleinod und hat eine spannende Geschichte. Genau da möchten wir unseren neuen Laden eröffnen, das Brot & Salz. Dort vereinen wir Frühstückslocation und Weinbar. Schon ab neun Uhr morgens gibt’s Frühstück – bis mittags um Zwei. Dann heißt es drei Stunden Pause und ab Fünf bis open End wird unser Lokal zur Wein- und Aperitivobar – wie auch immer man das jetzt ausdrücken möchte.


Eddy: Wie auch immer man das jetzt ausdrücken möchte? Brot & Salz! Thorsten, es wäre super, wenn du noch hinzufügen würdest, warum überhaupt das Salz im Vordergrund steht. Ganz einfach: Du kommst was trinken und willst dazu was cooles essen, so weit klar. Aber bei uns kannst du alles mit einer unserer 23 Salzsorten verfeinern. Das gab es in Münster noch nie. Vermutlich gibt es das nichtmal im ganzen Umkreis.


Dreiundzwanzig Salzsorten. Keine Übertreibung?


E: Ist so. Wie gesagt, wir heißen „Brot & Salz“.


Was kommt unter das Salz?


E: Wir haben Edamane, wir haben Smashed-Potatoes, wir haben Flanksteaks auf dem Holzbrett tranchiert.


A: Pouchierte Gambas in Weißweinsauce.


E: Unser Signature-Essen sind die frischen Austern. Mal gratiniert, mal mit Sauce Hollondaise oder auch Rockfort. Klar, auch mal ganz klassisch. Ach, wir haben so viele verschiedene Gerichte, die du gut mit Salz verfeinern kannst.


A: Zum Brot möchte ich noch sagen, dass wir ganz tolles Brot anbieten werden – von einem Brot-Sommelier aus Lüdinghausen. Es wird außerdem ein Baguette mit roter Beete geben und ein schwarzes mit Kohle gemacht, das Dark Night heißt. Außerdem ein indonesisches …


Was gibt es außer tollem Brot und Salz zum Frühstück?


E: Was isst du denn sonst zum Frühstück?


Darum geht es nicht.


E: Doch. Genau darum geht es eben manchmal. Insbesondere morgens. Du gehst doch frühstücken, was isst du denn dann?


Ein Brötchen, vielleicht sogar ein Ei, dazu Kaffee und Müsli mit Milch.


E: Na siehste. Dann willste doch bestimmt mal was ausgefalleneres probieren, vielleicht mal ein Rote Beete Brot.


A: Es gibt aber auch ganz klassisch das immer gute Rührei, bei uns mit dem mega Brot, einfach geil. Wir haben auch eine sehr, sehr gute vegane Platte. Die habe ich tatsächlich inzwischen probieren können und was soll ich sagen? Schmeckt richtig gut. Vielleicht werde ich nun Veganer, wären da nicht unsere Platten mit Schinken, Käse und Leberwurst – da kann der kleine Axel nicht widerstehen.


E: Wir haben auch Açaí-Bowls!


Açaí-Bowls?


E: Du kennst doch Bowls!


Schon, aber was ist Açaí?


E: Thorsten, Açaí ist das Original, das haben wir abgewandelt, schmeckt toll und wird eben aus einer Bowl gegessen. Du siehst, wir haben uns einiges überlegt. Da fällt mir noch ein Highlight ein, unser Eggzellent, EGG-zellent, Thorsten!


Hab’s verstanden, Eddy.


E: Dann verstehst du sicher auch das hier: einmal im Monat wird das Brot & Salz zum Geheimtipp. Da gibt es den Mad-Monday. Der ist schon in der Planungsphase legendär. Es läuft so: Axel hinter der Theke, ich im Service. Nur wir zwei, niemand sonst. Klar, die ganzen Gäste natürlich. Aber sonst: niemand sonst. Warum wir das machen? Damit man mal seinen Frust rauslassen kann. Alle. Damit alle mal ihren Frust rauslassen können.


Sieht noch recht wild aus hier. Wann macht ihr auf?


A: Anfang November. Wenn heute Abend die Tische stehen, sieht das schon anders aus. Heute ist nämlich Hochzeit. So nennt man es, wenn Tischplatten mit Tischbeinen zusammenkommen zum ersten mal.


Das wusste ich nicht. Stand das Torhaus lange leer?


A: Knapp ein halbes Jahr. Vor kurzem hat der Vorbesitzer in unsere Whatsapp-Gastrogruppe geschrieben, dass er raus möchte. Da haben meine Augen geleuchtet und wurden feucht, denn diesen Laden konnte ich mir schon so lange vorstellen, ich war direkt am Handy und habe ihn angerufen. Am nächsten Nachmittag traf ich dann wie so häufig Eddy auf einen Kaffee. Und was kam? Eddy sagte mir, er sei da an ´nem Laden dran: das Torhäuschen! Da sagte ich, Mensch Eddy, ich doch auch, lass uns das zusammen machen!


E: Ich sagte dann zu Axel: mit Frühstück? Ja, antwortete der. Ich nur: hört sich gut an. So fing es an, zwei Ideen zur gleichen Zeit.


A: Wir wollten immer mal zusammen etwas machen, der Eddy und ich, wir sind seit zwanzig Jahren befreundet. Jetzt kam mit dem Torhaus das passende Objekt.


E: Wir möchten das Traditionelle behalten, aber modern erweitern. Klar, man hört erstmal Austern und so. Aber es wird nicht versnobt, absolut jeder kann reinkommen auf ein Pilschen – aber eben auch gerne auf ein eisgekühltes Fläschchen Champagner mit zwei Austern.

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Wir sind mit Partys groß geworden

Wo kommen jeden Tag eure frischen Austern her?


A: Die kriegen wir über Bussmann. Da muss ich wohl zur Qualität nichts sagen.


Was kostet eine Auster bei euch?


A: Ist noch nicht sicher, hängt von den Einkaufspreisen ab, aber irgendwo zwischen 3,90 und 4,50 wird das liegen.


Ich weiß nicht, was Austern sonst so kosten.


A: Ganz unterschiedlich. Kommt drauf an, ob sie gratiniert sind oder …


Eddy, sag mal, hast du aktiv am Umbau mitgearbeitet.


E: Ja. Also. Klar. Also …


A: Die Handwerker nennen Eddy inzwischen die Tine Wittler von der Hörster Straße. Eddy ist für die ganze Deko zuständig, innen, außen, sogar im Terrassenbereich. Du weißt ja nicht, wie toll der inzwischen dekorieren kann, da hat er sich echt gut entwickelt. Nimm nur mal die Kunst, die wir an die Wände hängen werden. Wie gefällt dir die?


Die sieht sehr modern aus. Würde ich vielleicht noch einrahmen.


A: Mal schauen, ist ja immerhin Kunst.


Sehe ich richtig, habt ihr einen eigenen Brunnen auf der Terrasse?


E: Thorsten, da sind sogar drei Brunnen.


Schöner Baum.


E: Der wird noch richtig schön angestrahlt. (Eddy macht eine lange, ausladende Armbewegung)


Was ist das für ein Baum?


E: Eiche.


Das ist keine Eiche. So viel weiß ich.


A: Das ist irgendein Nadelbaum.


Vielleicht ist das Addi. (böse)


A: Lacht. Oder Dieter Hohn.


(Wir geraten ins Schwärmen.)


Zu Addis Zeiten war das Torhäuschen ja legendär.


A: Eben. Und das wird es nun wieder.


Lasst ihr die alte Bar drinnen?


A: Wir lassen die drin, aber bauen die komplett um. Das Rückbuffet wird auch neu, aus Stahl, sieht wirklich cool aus.


Was hat das Torhäuschen für eine Geschichte?


A: Ehe, Moment, das weiß ich. Zunächst, es gibt nur noch drei Torhäuser in Münster.


Axel sucht was in seinem Handy.


A: Ich hab’s Eddy mal geschickt … warte mal.


E: Hast du das nicht mal erzählt, Thorsten, als wir bei Dicke Bohne saßen?


Vielleicht, aber ich bin doch hier, um euch zu interviewen. Wenn ich das jetzt einfach erzähle, ist das irgendwie …


E: Du weißt es also nicht.


Ich weiß es nicht.


A: Also: das Ding ist fast zweihundert Jahre alt. War damals ein Amtsgebäude, soweit ich mich erinnern kann. Hatte eine sehr wechselvolle Geschichte …


Liest du gerade den Wikipedia-Eintrag vor?


A: Heute kann man hier nicht nur gut essen, sondern auch stilvoll feiern.


E: Frühstücken, Austern schlürfen und Wein trinken.


Wie viele Leute passen rein?


E: Sechzig, stehend. Sitzplätze vierzig.


Wer kocht?


A: Wir haben einen Küchenchef. Ein ehemaliger Angestellter von mir aus dem Früh bis Spät. Ein wirklicher Könner. Dazu zwei Küchenhilfen und fertig ist das Küchenteam. Dann noch acht im Service und an der Bar. Junge tolle Leute, die Bock haben, Münster zu verzaubern.


E: Unter anderem mit unseren Weingläsern! Die sind was besonderes: wir haben keine Nullachtfünfzehn Null-Zwei-Gläser, wie man die kennt – sondern Null-Eins-Fünf-Gläser. Das ist neu für Münster, aber wir müssen uns alle weiter entwickeln. Das hört ja beim Weinglas nicht auf, aber damit fangen wir schon mal an, tragen unseren Teil bei.


A: Also eigentlich sind die Gläser einfach etwas kleiner, dieser Trend kommt aus dem Süden und das möchten wir hier nun auch mal probieren.


Die Idee gefällt mir.


E: Einen super Weinhändler haben wir auch schon.


A: Aber auch für die, die einfach nur ein Bier trinken wollen: wir haben vier verschiedene Biere am Hahn. Wir verraten noch nicht alle, aber dabei ist natürlich das Kultbier aus Münster, das Pinkus Spezial vom Fass. Dazu ein Helles aus München und ein, zwei andere Sorten. Wir möchten immer ein Saison-Bier haben, das heißt, zu Weihnachten ein Weihnachtsbier, im Mai ein Maibock, also so, dass jeder gerne mal auf ein Pils vorbeikommen kann.

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Im Brot und Salz gibt es auch das gute, klassische Rührei

Kann man den ganzen Laden mieten für Geburtstag, Hochzeiten oder Kommunionfeiern ?


A: Ja.


E: Dieses Jahr noch nicht, aber ab Januar.


A: Wir wollen den Kunden gerade zu Anfang die Möglichkeit geben, uns kennenzulernen. In der Phase kann es einfach nicht sein, dass Menschen sich bei uns vor einer verschlossenen Tür versammeln, weil wir eine Geschlossene haben. Das geht einfach nicht.


E: So, fertig jetzt?


Ja, das war’s wohl. Obwohl, vielleicht noch etwas über euch – vielleicht kennt der ein oder andere euch nicht.


E: Also, für die, die mich nicht kennen, ich bin Eddy. Ich komme aus Holland. Geboren in Kolumbien. Also …


A: Gott, ist das schlecht.


E: Thorsten, du weißt das doch alles. Aber gut, ich bin Eddy, der Betreiber von Eddy´s Bar im Hafen und nun kommt das Brot + Salz dazu.


Axel, zu dir muss ich nicht viel sagen, aber versuchen wir es trotzdem.


A: Von Kind auf bin ich mit Party und Getränken großgeworden, meine Familie ist schon sehr bekannt in der Branche. Jetzt haben wir das Oktoberfest hinter uns gebracht, also kann ich mit voller Kraft hier einsteigen.


Sehr bescheiden. Du machst aber noch so viel mehr. Das eine Früh bis Spät, das andere auch noch …


A: Das Spatzl, das Preußen-Catering und natürlich das Stadtfest.

Welches ist dein Lieblingsort?


A: Das Herz hängt überall drin, aber das Mutterschiff ist schon das Früh bis Spät am Alten Steinweg. Damit ging auch alles erst so richtig los. Das war mein erster eigener Laden mit Küche und allem. Vorher war ich ja hauptsächlich im Eventbereich.


Spatzl ist doch auch gut eingeschlagen, oder?


A: Ja, das ist gut eingeschlagen.


Ist Biergarten des Jahres, oder?


A: Genau, vom ADAC gewählt worden, was uns natürlich sehr gefreut hat. Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht, haben das Kruse Baimken leben lassen und trotzdem mit dem bayerischen Touch verfeinert. Und das ist das, was wir auch hier vorhaben. Die Geschichte vom Torhäuschen soll bleiben, aber eben angereichert mit einer modernen Umsetzung mit neuem Schwung. Tradition darf nicht vergessen werden.


Abgesehen davon, dass ich es irgendwie seltsam finde, dass der Automobilclub Biergärten bewertet – ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für eure Zeit.


E: Also, Thorsten, ich könnte dir auch noch was erzählen.


Ja, mach doch.


E: Ich habe ja nicht nur Eddy´s Bar gemacht. Ich habe davor zum Beispiel Uni-Keller gemacht, ich habe …


Du bist doch auch Produzent!


E: Musik habe ich tatsächlich sehr viel und lange gemacht. Aber ich will ja nicht zu viel von mir erzählen, jedoch ja, es stimmt, habe ich gemacht. In Holland war das super erfolgreich. Auch mal nicht, aber …


Viele kennen dich aber vor allem als das Gesicht der Karaoke-Abende in Eddy´s Bar — die Reihe ist ein unglaublicher Erfolg.


E: Das stimmt. Damit konnte keiner rechnen. Ich habe nicht mal selber damit gerechnet. Erst als an jeder Ecke Karaoke veranstaltet wurde, merkte ich, was ich für eine Welle losgetreten habe und was da gerade passiert. Außerdem mache ich noch das Due Due am Bült, bekannt für sein Breakfast. Breakfast kann ich einfach. Das ist alles was zählt, eine Mahlzeit am Morgen, eine ausgiebige Pause am Mittag und eine lange Nacht mit Austern, vier Biersorten und Champagner.


Brot und Salz nicht vergessen. Aber gut, so ergibt das ganze Sinn. Vielen Dank.

Axel Bröker
Sozusagen der H. P. Baxxter der Gastroszene Münsters. Ein wahres Urgestein mit kaum noch aufzählbaren Erfolgen: Früh bis Spät 1, Früh bis Spät 2, Stadtfest, Oktoberfest, Karneval, Tesla. Nun eben kommt noch das Brot & Salz dazu. Aufgrund der vielen Nachfragen: Autogrammkarten hat er inzwischen noch nicht. Aber wir vermuten, dass es nur eine Frage der Druckqualität ist.

Eddy Verbeek
Bekannt als der Gründer und Chef von Eddy´s Bar, dem Ort, an dem Karaoketräume wahr werden. Geboren wurde Eddy in Kolumbien direkt damals. Danach wurde er weitergegeben an die Niederlande, wo er es zu erstem Ruhm brachte. Doch das reichte ihm nicht. Also zog er nach Münster und mischte die damals noch in den Kinderschuhen steckende Sneakerszene auf. Heute konzentriert er sich auf die Dekoarbeiten im Brot & Salz. Ich möchte noch hinzufügen, dass Eddy auch irgendwie ein kreatives Brain ist und auch für andere Menschen seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat. Wie gesagt, Musikproduzent ist das eine – Eddy das andere.

Brot&Salz
Eine Auster am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen – dazu noch ein leckeres Schlückchen Schampus, fertig ist der Lack! Gibt’s nicht? Doch, bei Brot&Salz. 23 Salzsorten, zwei Männer, ein Gedanke: Die neue Toplocation wenn es um Austern, Frühstück, Wein, Bier und natürlich Eddy und Axel geht. Hier findet ihr alles. Wirklich alles, was der Magen und das Herz begehren. Wo? Hier:
Mauritzstraße 27.

llustration Thorsten Kambach / Fotos Armin Zedler

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