
Alma und Stephan Günther sprechen über Musik und Karriere
MUSIK IST FÜR MICH SO ETWAS KOSTBARES
Alma Lawong hat genau zweimal an Casting-Wettbewerben teilgenommen, beide Male erfolgreich. Bei The Voice Kids ging es für die damals 12-Jährige bis ins Halbfinale. Sechs Jahre später versuchte sie es bei The Voice of Münsterland und belegte direkt den ersten Platz. Der Beginn einer Gesangskarriere? Darüber sprachen wir mit ihr, denn so sicher ist sie sich da gar nicht. Im Gespräch erzählte sie uns, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, warum Arzt werden nicht ihr Ding ist und was sie sonst gerade so treibt.
Frischgebacken volljährig und musikalisch schon fast ein alter Hase. Mit Musik im Blut geboren?
Das habe ich für mich noch nie so zusammengefasst. Aber ja, das kommt vielleicht hin. Ich singe eigentlich schon immer und habe auch schon immer mit Musik zu tun gehabt. Von Kindesbeinen an habe ich getanzt und auch Cello gespielt.
Aber Du hast das ja nicht immer nur im Kinderzimmer für dich selbst gemacht, oder?
Tatsächlich nicht. (Lacht) Irgendwann, aus einer Laune heraus, habe ich ein Video gemacht und mich damit bei The Voice Kids beworben. Ich war da 12 Jahre alt und wollte einfach mal probieren, ob das klappt oder wie weit das führt.
Wohin hat es geführt?
Ich wurde wirklich nach Berlin eingeladen, dann ging alles ein wenig Schlag auf Schlag. Bei den Blind Auditions (die 4 Coaches/Teams hören, aber sehen den Teilnehmer nicht, bewerten also blind. Die Red.) habe ich dann „Watermelon Sugar“ von Harry Styles gesungen.
Wer waren denn die Coaches bei dir?
Da waren Steffi von Silbermond, Smudo und Michi von den Fantastischen Vier, Alvaro Soler und Wincent Weiss.
Wer hat gedrückt?
Das war ja das Irre, alle! Der sogenannte Vierer-Buzzer. Alle Coaches wollten mich also in ihrem Team und mit mir arbeiten.
Verständlich, das war ja auch ein verdammt starker Auftritt! Für wen hast Du Dich schlussendlich entschieden und wie ging es dann weiter?
Ich habe mich für Wincent Weiss entschieden, mit ihm bin ich bis ins Halbfinale gekommen. Danach war dann leider Schluss.
Dennoch ein beachtlicher Erfolg, wie ich finde. Wie war das denn für dich, dann auszuscheiden?
Ich war super zufrieden, ich hatte ja niemals damit gerechnet, dass das überhaupt klappt. Beim ersten Versuch gleich ins Halbfinale mit dem Wissen, dass alle Coaches mich in ihrem Team wollten. Das war schon toll.
Hast du danach eine Karriere in dem Bereich angestrebt, bzw. wie hat sich die Teilnahme auf deine Zukunft ausgewirkt?
(Lacht) Den nationalen Durchbruch gab es nicht. Es haben, so glaube ich, einfach nur viel mehr Leute erfahren, dass ich gerne singe. Das war aber mehr in meinem Umfeld und in Everswinkel, wo ich ja herkomme. Also eher lokal. Ich durfte häufiger mal bei Hochzeiten singen, es hat sich halt rumgesprochen. Nicht zuletzt durch meine Mutter, die ja auch Musik macht. Das wurde dann durch Mund-zu-Mund-Propaganda immer mehr, dann kamen Taufen und Kommunionen dazu.

Musik ist für mich etwas kostbares
Was war denn deine Erwartungshaltung, als du dich angemeldet hast und dann auch genommen wurdest?
Da habe ich damals gar nicht so drüber nachgedacht. Ich war ja erst zwölf, als das aufgenommen wurde. Grundsätzlich ist meine Herangehensweise, was Musik angeht, nicht, dass ich etwas erzwingen möchte. Ein Kinderstar oder Ähnliches werden, war nicht mein Ziel, bekannt werden auch nicht unbedingt. Ich wollte gerne singen, den Leuten das zeigen, Erfahrungen sammeln und natürlich Spaß haben.
Sehr bescheiden. Es wird ja auch nicht aus jedem Castingshow-Gewinner ein Star, hat uns die Fernsehvergangenheit ja deutlich gezeigt. War das auch ein Grund für deine vorsichtigen, bescheidenen Ziele?
Ich glaube, wenn man bei sowas mitmacht und vielleicht sogar gewinnt bzw. weit kommt, dann muss man danach schon sehr bewusst weitermachen. Ich hab danach auch auf Social Media viele Gesangsvideos von mir gepostet, und die Resonanz war schon sehr positiv. Ich hätte das auch weitermachen können. Mir wurde das aber alles ein wenig zu viel; für mich war das auch nicht der Sinn des Ganzen. Ständig musste man sich zeigen, entscheiden, wie man sich heute präsentieren will, was man singen will. Da habe ich mir dann gedacht, dass das ja auch noch gar nicht sein muss in meinem Alter.
Wow, ziemlich erwachsene Einstellung für einen sehr jungen Menschen. Ich bin beeindruckt.
Musik ist für mich so etwas Kostbares. Alles, was ich mache, was mit Musik und vor allem auch mit Singen zu tun hat, fühlt sich für mich sehr authentisch und intuitiv an. Ich fände es schade, wenn ich mir das durch Druck von außen oder auch von mir kaputtmachen würde. Wenn ich merke, dass ich auf etwas keine Lust mehr habe, dann mache ich es auch nicht mehr. Es ist für mich in erster Linie ein Hobby.
So eine Authentizität findet man nicht überall. Du scheinst sie auch in den letzten 6 Jahren nicht eingebüßt zu haben.
Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir das alles schon riesigen Spaß gemacht hat. Ich habe auch immer das veröffentlicht, was ich möchte. Ich bin auch zufrieden, wie das mit The Voice Kids zu Ende gegangen ist, und wie ich da gezeigt wurde. Aber ja, ich wollte immer noch selbst entscheiden, was ich jetzt veröffentliche. Vielleicht wurde mir das irgendwie zu ernst, wie es immer weiter wuchs.
Wie war das denn danach? Konntest du das einfach abhaken und weitermachen?
Ich wollte auf jeden Fall weiter singen. Ich glaube auch, dass ich ohne die ganzen Auftritte weiter singen würde und werde. Zu dem Zeitpunkt. Die ganzen Hochzeitsauftritte zum Beispiel, das war schon der perfekte Rahmen für mich, zu singen. Ich hatte genügend Freiraum, auch wenn ich mich hier und da nach den Wünschen der Paare richten musste. Aber das Ausmaß war ok, das hat mir gefallen. Man hatte ja auch im Vorfeld immer die freie Entscheidung, den Termin anzunehmen oder halt auch nicht. Man hat sich dann nur für einen Termin verpflichtet, aber halt für nichts, was mit mehreren Terminen oder anderen, weitreichenderen Verpflichtungen verbunden ist.
Wie ging es dann weiter? Hattest du damals schon Vorstellungen oder Wünsche, was du später mal machen willst?
Eine Vorstellung hatte ich grundsätzlich schon. Ich wollte immer etwas mit Menschen machen, Menschen helfen. Das schwankte dann immer ein wenig. Erst war es Medizin, aber ich habe mich irgendwie nicht mit diesem Krankenhauskontext anfreunden können, das wäre nichts für mich. Später in der Oberstufe hat sich dann langsam der Wunsch entwickelt, Psychologie zu studieren. Mein Ziel war immer, erst einmal das Abitur zu machen und vielleicht zu studieren. Danach hat man ja immer noch alle Möglichkeiten und kann weiterschauen.
Ein solider Plan!
Das finde ich auch. Sonst wird man immer abhängiger und kann dann noch schlechter Nein sagen. Ich habe jetzt den Luxus, auf vielen Veranstaltungen singen zu können. Aber ich könnte es auch lassen. Ganz nach Lust und Laune. Es gibt auch kein Management, das mich betreut oder mir irgendwelche Dinge vorgibt.
Kommen die Anfragen noch aus der The-Voice-Kids-Zeit?
Ich glaube, das ist noch der Nachhall. Wie gesagt, hat sich vieles herumgesprochen, ich mache ja keine großartige Werbung für mich. Der eine hat mich mal live gesehen, der andere kennt mich durch Bekannte. So funktioniert das gerade.
Es gab ja noch einen zweiten, eigentlich wichtigeren Wettbewerb, den du kürzlich sogar gewonnen hast: Voice of Münsterland. Wie kam’s, dass du dich doch noch einmal für einen Wettbewerb angemeldet hast?
Relativ unspektakulär: Eine Bekannte sprach mich darauf an. Ich sah dann, dass das Finale auf dem Domplatz stattfindet. Da dachte ich sofort: Boah, Domplatz? Das hört sich ja gut an. Dann habe ich entschieden, mich anzumelden und, wie schon einmal, zu schauen, was draus wird.
Ein voller Erfolg ist es geworden. Wie war es dann, auf dem Domplatz vor so vielen Leuten zu singen?
Das war so schön, ich habe jeden Moment genossen. Es war so schönes Wetter und ich habe mich total wohlgefühlt, auch mit dem Lied, welches ich gesungen habe: „Voilà“ von Barbara Pravi.
War das nicht ein Song, der schon mal beim Eurovision Song Contest teilgenommen hat? Ein sehr schöner Chanson.
Genau, und eigentlich erwartet man sowas ja gar nicht beim ESC, da gibt es ja eher fröhliche und ausladend inszenierte Songs. Mich hat das fasziniert. Nicht nur der Song, sondern auch die minimalistische Inszenierung. Einfach nur ein schwarzer Hintergrund, wenig Licht und Nebel. Das Lied und der Gesang waren das Highlight, ganz schlicht. Sehr beeindruckend.
Das kann ich nachvollziehen, auch wenn ich es damals nicht gesehen habe. Und jetzt? Urkunde von Voice of Münsterland an die Wand und sich voll aufs Studium konzentrieren?
So ist der Plan, ich studiere tatsächlich mittlerweile Psychologie in Mainz. Das hat erst mal Vorrang. Musiktechnisch bin ich ganz entspannt, da habe ich keinen Druck. Ich habe auch nie das Gefühl, unbedingt was machen zu müssen. Ich singe eh immer, nehme Gesangsunterricht und bin auch im Unichor in Mainz. Da geht es dann eher um klassische Musik. Das macht mir Spaß, mein Bezug zur Musik ist also relativ zwanglos aktuell.
Dennoch hoffen wir, auch in Zukunft noch ganz viel von dir zu hören. Alma, vielen Dank für das tolle Gespräch und alles Gute!
Alma ist 18 Jahre alt und kommt aus Everswinkel. Dort begann sie schon früh zu musizieren, zu tanzen und besonders zu singen. So tritt sie heute auf Hochzeiten und ähnlichen Anlässen auf und ist die diesjährige Gewinnerin von „The Voice of Münsterland“. Für sie ist Singen das Intuitivste, Authentischste und Schönste, das es gibt. Alma studiert seit einem Jahr Psychologie in Mainz.
lllustration Thorsten Kambach / Foto Pressefoto

