Tom und Heijo Bierbaum gehen verbal ein Großprojekt an


Fast jeden haben in seiner Kindheit Bauklötze, Lego oder fischertechnik fasziniert. Bei den meisten wurde es weniger, als sie älter wurden. Bei einigen aber nicht und die suchen sich dann einen Weg, um mit dieser Leidenschaft verbunden zu bleiben. Ab jetzt bedarf es nur noch einer Idee, Herzblut und Durchhaltevermögen. Der Rest macht sich fast von selber. Aber nur fast, denn jede Idee liefert Feuer für Geschichten, die einen Schmunzeln lassen oder im besten Fall einen aufhorchen lassen. So einen haben wir gefunden. Heijo Bierbaum, einer der macht und nicht aufgibt.

BAUKLÖTZE STAUNEN

Heijo, du hattest mit Promotex eine Werbeagentur und Firma für Messebau hier in Münster. Aber du hattest eine verrückte Idee. Lass uns mal über Überseecontainer sprechen, die zu Wohneinheiten umgebaut wurden?

(Lacht) ich würde mal so sagen. Ohne Messebau hätte ich nie den Einstieg ins Immobiliengeschäft gewagt. Wir hatten mal auf einer Messe in Essen eine dreigeschossige Installation gebaut für einen Kunden mit Seecontainern. Als kreative Idee hatten wir eine Ölplattform konzipiert und dabei hatte ich dann die Bauklötze vor Augen.

 

Hast du als Kind mit Bauklötzen gearbeitet?

(Lacht) dafür hatten wir vermutlich kein Geld. Von daher hatte ich dann Spaß für diese großen Klötze…

…die du nie aus den Augen verloren hast?

Ich habe in Amsterdam seinerzeit mal eine Wohnanlage besucht mit 1000 Seecontainern für Studenten. Mir war sofort klar, dass dieses Projekt eines sein würde, was nach Münster gehört. Ich war damals blauäugig. Ich bin zur Stadtverwaltung und sagte: „Leute wir bauen ein Studentenwohnheim aus besagten Containern.“ Nicht euphorisch kam die Frage auf: „ja wo denn?“ Ich entgegnete freudig: „im Gasometer.“

 

Jetzt bin ich gespannt auf die Begeisterungsstürme, die von der Stadt Münster kamen?
Am Ende kam ein gut gemeinter Ratschlag. Ich solle mich weiter mit Messebau beschäftigen. So ein Konzept würde hier eh nicht funktionieren. Ich sollte diese Träumereien mal besser lassen.

So wie ich dich bis jetzt kennenlernen durfte, war dieser Ratschlag Ansporn für dich?
Mir war klar, dass ich nicht lockerlassen würde. Ich habe erstmal eine schwimmende Containeranlage im toten Kanalarm am Haverkamp konzipiert. Die in der Presse landete. Mich riefen unzählige Studenten an, wann sie einziehen könnten. Ich wieder zum Bauamt und zack, was soll ich sagen. Keine Umsetzungsmöglichkeit für Münster.

Leck mich am Arsch, dachte ich mir und hatte diesen Gedanken verworfen.

Aber nicht so „Leoland“ wird gebaut und du bist der Vater dieser Idee. So zu sagen: Immobilien im zweiten Anlauf?

Ich Stand mal an der Ampel auf der Kreuzung an der Eishalle. Dank einer langen Rotphase schaute ich gelangweilt rüber zu der Eissporthalle. Da kam die Eingebung. Ein fast ungenutztes Areal am Campus. Genau das, wonach ich immer gesucht habe. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass dieses Grundstück einem Eigentümer gehörte, der in Osnabrück lebt.

 

Ich verstehe, als du wolltest, hat die Stadt nicht „Ja“ gesagt und dir die Realisierung von Plänen verwehrt. Durch einen Zufall öffnet sich die Hintertür?
Den Grundstücksbesitzer habe ich angerufen und mich nach der Verwendung der Eishalle erkundigt. Zudem hatte ich abgeklopft, ob nicht die Möglichkeit bestünde, ein weiteres Projekt auf dem Gelände voranzutreiben. Zügig meldete sich der Besitzer vier Wochen später. Er lud mich nach Mallorca ein und ließ mich meine Visionen vortragen. Der sagte schnell begeistert, dass er die Idee hätte gut selber haben können. Ich entgegnete ihm, dass er die aber nicht hatte. Die Einsicht seinerseits kam schnell und fragte mich, ob ich das ganze Grundstück kaufen wolle.

 

Wow. Eine lange Ampelphase, die dich Bauklötze staunen ließ und deine Idee war wieder lebendig in deinen Gedanken?

Das wurde ein echtes Hin und Her. Er wollte verkaufen und dann auch wieder nicht. So wurde ein halbes Jahr verhandelt. Während dieser Phase des regen Austausches wurde ich wieder bei der Stadt Münster vorstellig, um abzuklopfen, wie die Möglichkeiten für ein Bauprojekt am dortigen Standort wären. (Lacht) ich hatte ja schon allerhand Erfahrungen gesammelt. Zu meiner Überraschung war der Leiter des Bauamtes garnicht so abgeneigt und stellte fest,dass der Bebauungsplan geändert werden müsse, wenn dort Wohnungen entstehen sollen. 

Eigentlich unglaublich, dass eine positive Rückmeldung aus der Stadt kam. Hätte ich nicht erwartet nach den Geschichten vorher?

Ich auch nicht. Und weil ich dieses Gefühl hatte, das in beide Richtungen ging, habe ich mir ein Vorkaufsrecht über dieses Arial notariell zusichern lassen und das Ganze zu einem Festpreis. Und habe mich sofort auf die Socken gemacht, mit den Planungen begonnen und weitere Wege ins Bauamt unternommen. Habe mir die Hacken wund gelaufen. Ende 2014 wurde ich Eigentümer des Grundstücks. An eine Änderung des Bauplans oder eine Baugenehmigung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ansatzweise in Arbeit. 

Wer hätte das gedacht, dass aus einer Totgeburt doch was werden könne. Nicht wenige hätten nach den ersten Erfahrungen den Kopf in den Sand gesteckt?

Ist nicht meine Art. Ich hatte jetzt das Ding an der Backe und wir planten munter weiter. Die Eishalle hatte ich für die Zeit an den Pächter zuzrück vernietet. Was ich nicht bedacht hatte, dass die Eishalle wirkliche Fans haben könne. Da wurde ich eines Besseren belehrt. Die Demonstrieten nächmlich schön vor der Halle, als durch die Medien bekannt wurde, was ich vorhabe. 

Du scheinst aber alle Hürden sportlich genommen zu haben. Denn bald geht es los und die Bebauung beginnt?

Sagst du. Nach zähem Ringen wurde der Bauplan geändert und prompt gab es noch eine Überraschung…

…alles Seecontainer waren ausverkauft?

(Lacht) nein. Der Burger King vorne an der Ecke, der kam mit einer besonderen Überraschung auf mich zu. Der war quasi Miteigentümer des Geländes. Da staunte ich Bauklötze. Mir war klar, dass der Besitzer irgendwelche Rechte hatte an dem Grundstück. Aber das der mir so in die Quere kommen könnte, war mir nicht bewusst. 

Heijo, der gerade Weg ist für dich keine Option?

Wäre er. Nur mit solchen Stolpersteinen rechnest du ja nicht. Die Stadt legte erstmal wieder alles auf Eis. Es musste eine Klärung her, dass der Burger King mir nicht dauerhaft in die Suppe spucken kann. Solange da Eigentumsrechte vorliegen, kann nicht weiter gemacht werden. Das hat jahrelang gedauert, den Besitzer einzufangen und ihm die Rechte abkaufen zu können. 2017 gab es dann endlich die Änderung des Bebauungsplanes. 

Das sind ja nur schlappe acht Jahre zwischen einer langen Ampelphase an der Eishalle und dem Erteilen einer Baugenehmigung. Aber es geht los und wie?

Wir werden dort drei Wohnblöcke bauen mit insgesamt 500 Wohneinheiten. Kleine Wohnungen mit einer Fläche von 25 Quadratmetern voll möbliert. Jeder Block bekommt seine Tiefgarage und die Stadt wünschte sich noch etwas Gewerbeeinheiten, da das ganze durchmischt werden soll. 

Heijo. Du bist studierter Kaufmann. Hattest eine Werbeagentur und warst groß mit deiner Firma im Messebau tätig. Hast du Erfahrungen im Baugewerbe?

(Lacht) Ich habe unser Einfamilienhaus in Dülmen gebaut.

Du sprichst immer von „Wir“. Wer oder was ist diese ominöse Person?

Ich hatte ja das Grundstück gekauft. Mein Eigentum. Aber die Stadt wollte die Garantie, dass ich das ganze Projekt auch finanzieren kann. Ein Spruch, der mir in den Ämtern immer wieder begegnete, lautete: Man muss willens, aber auch in der Lage sein, das Dingen zu Ende zu bringen. Willens war ich. Aber nicht in der Lage. Zu meinem Glück kam die Baufirma Ten Brinke auf mich zu, die ich als Partner gewinnen konnte. Und somit kam zu dem Willen auch die gute Lage, in die ich mich versetzt hatte. Somit hatte ich einen gleichberechtigten Partner.

Was ich daraus höre, dass du zwei Fliegen mit einer Klatsche erlegt hast?

Genau. Der Partner ist ein großer Fisch im Baugewerbe. Ich hatte das Grundstück und somit ein gutes Faustpfand. Ten Brink das „Know-How“. Eine gute Basis für eine Partnerschaft

Das klingt nach einer guten Win-Win-Situation?
Wie gesagt. Mein Fund in der Tasche war die Idee und das Grundstück. Die haben die gesamte Begleitung bis heute in die Hand genommen und haben mich technisch begleitet. Die Jungs werden das Dingen jetzt bauen. Das war ein achtjähriger Ritt auf der Rasierklinge.

Das klingt bei dir aber schon nach einem naiven kleinen Jungen. So wie du das Projekt angegangen bist?

Das wirkt so. Aber als die Hacken durchgelaufen waren und die Änderung des Bebauungsplanes anstand, war aber Schluss mit der Naivität. Neben Herzblut, was ich hatte und gab, kostete die Geschichte Geld. Ich hatte ja das Grundstück und laufende Kosten durch die Planung. Aber es fügte sich alles zum Guten. 

Gab es Momente, wo du das ganze Dingen entsorgen wolltest. Einfach mal genug hattest und die Kraft weg war?
Das konnte ich mir gar nicht leisten. Stelle dir mal vor, was das bedeutet hätte. Mein ganzes Geld steckte ja in diesem Projekt.

Wenn Leoland in 2 Jahren gebaut ist. Wirst du dann Vermieter und Golfprofi?
Nö. Bei Leoland bin ich raus.

Also ausgesorgt und die Rente ruft?
Nicht ganz. Du erinnerst dich an den Burger King? Mir sagte man, wenn du bauen willst, musst du alleine über dein Grundstück entscheiden können. Das ist absolut notwendig. Wir haben den Burger King ausparzelliert.

Was bedeutet?
Wir konnten in Ruhe weiterplanen mit Burger King als Nachbar. Du fragtest mich ja, was meine Pläne sind. Der Burger King kam um die Ecke und bot mir sein Grundstück an. (Lacht) ich hatte es gerade ausparzelliert. Es ist ja so, dass ich bei Leoland aussteige. Ich habe das angebotene Grundstück gekauft. Leoland besteht aus drei Häusern, aber der Bebauungsplan sieht vier Bauten vor. Und das baue ich, allerdings alleine.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns während der Bauphase nochmal unterhalten können. Es werden noch genug Geschichten zu erzählen sein?
Davon kannst du ausgehen.

INFO

Heijo Bierbaum 

Der 74-jährige studierte Kaufmann besaß eine Werbeagentur und eine Messebaufirma. Heute widmet er sich einem Großbauprojekt. Seine Erfahrungen auf dem Gebiet: Er baute in Dülmen ein Einfamilienhaus.

Autor Tom Feuerstacke / Illustration Thorsten Kambach

Erstmalig erschien dieser Text in Stadtgeflüster Interview Februar 2021

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